WmdedgT? Husten und Schwitzen

Mal wieder Feiertag - meine anfängliche Befürchtung, die Antwort auf die Frage "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?", die Frau Brüllen jeden 5. des Monats stellt, würde eine langweilige Aneinanderreihung von Bürotagen werden, bewahrheitet sich schon mal nicht. Heute ist Tag der Verfassung (der von 1995, nicht der neuen von 2015). Ich habe gerade weder Zeit noch Nerven, das genauer zu recherchieren, aber es sieht so aus, als habe Armenien von 1991 bis 1995 keine Verfassung gehabt. Naja, Karabachkrieg, Energiesperre, da kann man sowas schon mal vergessen.

Ich wäre aber auch so heute wohl nicht ins Büro gegangen, denn abgesehen davon, dass ich seit gestern einen Schneidezahn los bin bis am Dienstag das Implantat gesetzt wird, war die Nacht die Hölle. Vom ins Bett gehen um elf bis um drei hatte ich einen Hustenanfall nach dem nächsten. Erst dachte ich, es wäre nur die Bronchitis, die ich vom Balkan mitgebracht habe, aber mit zunehmender Atemnot und der Erkenntnis, dass ich schon fünf Minuten verpennt vor dem offenen Kühlschrank stand, und statt nur Wasser rauszunehmen die Ruhe des Nicht-Hustens genoß, wurde mir langsam klar, dass ich wohl etwas wie einen Pseudo-Krupp-Anfall für Erwachsene erlebte. Gibt es sowas? Egal. Wenigstens scheinen die Hilfsmechanismen gleich zu sein.

Um 3.30 schlafe ich schließlich mit einem nassen Tuch über dem Mund ein. Das Thermometer spricht noch von 29 Grad. Einziger Pluspunkt: Das Reisekind hat den Anfall so tief verschlafen, dass ich mehrfach überprüft habe, ob es möglicherweise schon erstickt sei. Hat aber einfach nur einen guten Schlaf. Kein Wunder, war ja auch bis zehn wach.

8.00 trotz Feiertag Weckerklingeln und sowohl das Kind als auch ich kommen nicht richtig aus dem Bett. Müssen wir aber. Wir sind mit Freunden zum Spielen verbredet - also Kinder spielen (hoffentlich!) und Mamas arbeiten an der Dokumentation der Balkan-Ergebnisse. Deshalb: Aufstehen,  Kaffeetrinken und versuchen, mich davon zu überzeugen, dass auch trotz angekündigten über 40 Grad, Bronchitis, dem schon wieder rauen Husten, fehlendem Vorderzahn und unausgeschlafenen Kleinkind und selbst mit kaum Schlaf das ein guter Tag werden kann. Klappt nur so halb.

10.00 - 13.00 Uhr - ach, eigentlich doch ganz gut. Die Kinder spielen mit Lauflernwagen und am besten Straßenbrunnen Jerewans, der sich praktischerweise direkt gegenüber des Hauses befindet und wir können tatsächlich bei Eiskaffee etwas arbeiten. Um eins sind die Kinder meiner Freundin müde und wir gehen nach hause. Die Hoffung, das Reisekind würde auf dem Weg durch die glühende und leere Stadt einschlafen, erfüllt sich natürlich nicht.

13.45 Wir kommen nach hause und es ist bitterkalt. Ach ja, ich hatte der Klimaanlage gesagt, dass sie bitte die Wohnung auf 22 Grad kühlen soll, während wir weg sind. Das ist ungefähr die Hälfte der gefühlten (und realen) Außentemperatur, also: brrrrr.

Der Nachmittag verläuft trotz fehlendem Mittagsschlaf (bei mir und dem Kind) doch noch halbwegs entspannt. Mit Wasser spielen geht auch in der Küche ganz gut, der Balkon ist zu heiß, das Bad zu klein. Mein Vermieter entschärft eine beginnende Katastrophe als die Pfirsiche alle sind und es nur Himbeeren gibt. Ich mag Menschen, die sich nicht nur zum Kaffee einladen und das Kind ablenken, sondern auch gleich noch den Kaffee mitbringen.

Ab 17.00 wird es schwierig. Nicht nur der fehlende Mittagsschlaf macht sich bemerkbar, auch das Problem, dass bei der Hitze der Appetit fehlt, der Hunger aber trotzdem kommt. Geht mir - und vermutlich dem Großteil der Jerewaner - im Moment auch so, aber die Variante des Reisekindes: Schreiend am Kühlschrank stehen, zwei Bissen vom angebotenen Essen nehmen, den dritten Bissen auf den Boden werfen, den vierten ausspucken und wieder zum Kühlschrank rennen und schreien, ist doch ziemlich anstrengend. Vor allem da das Angebot in unserem Kühlschrank nicht unendlich ist.

Um 19.30 liegt das Kind dann doch gebadet (wir hatten heute ja noch nicht genug Wasser!) im Bett und schläft schon beim zweiten Bilderbuch ein.

Super. Ich kann noch ein paar Stunden arbeiten. Und ich habe so gar keine Lust. Von Energie ganz zu schweigen. Braucht man zum Zusammenschreiben von Interviews zum Glück auch nur begrenzt. Trotzdem. Bäh.

(Noch 15 Tage bis zum Heimaturlaub!)

Achso: War doch nicht schlimm mit dem Arbeiten. Nicht genug geschafft (wann hat man das schon mal?), aber hat Spaß gemacht. Doch. Kann ich mir wieder vorstellen, so ein Projekt.

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