Wardawar - Tag des Wassers

Ehrlich: Erkältung, Husten, der so schlimm ist, dass ich vor Hustenreiz würge, ein zahnloses Lachen, das man nur zu Helloween tragen kann, und eine To-Do-Liste, die einfach nicht kürzer wird: Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre ich heute auf dem Sofa unter der Klimaanlage geblieben. Geht aber mit Kind nun mal nicht und letztendlich war das auch gut so, denn sonst hätte ich wohl den wichtigsten armenischen Feiertag im Sommer verpasst: Wardawar, den Tag des Wassers. Der wird jedes Jahr 14 Wochen nach Ostern begangen und fällt damit auf den Tag der Verklärung Christi, einem der Hauptfeiertage der armenischen Kirche. Ich dachte, ich wäre halbwegs gut in christlichen Feiertagen, aber den musste ich nachgucken: Ein Offenbarungsereignis, bei dem Jesus einigen Aposteln zusammen mit Moses und Elias erschien. Davon, dass sich Jesus und die Aposteln mit Wasser bepritzt hätten, ist nichts überliefert. Deshalb ist auch davon auszugehen, dass es sich um ein vor-christliches Fest handelt, dass ursprünglich einer Göttin namens Astghik, der Göttin des Wassers, der Liebe und Fruchtbarkeit geweiht war, und in dessen Zentrum das (Rosen-)Wasser stand.
Kurz gesagt: Wardawar ist der Tag, an dem man sich gegenseitig mit Wasser (nix mehr mit Rosen allerdings) überschüttet. Alle. Jung und alt, Männer und Frauen, unabhängig vom sozialen Status. Wir machten die erste Runde am späten Vormittag als sich die Stadt gerade mit Eimern, Wasserpistolen und wassergefüllten Plastikflaschen bewaffnete. Das Reisekind konnte sich nicht ganz entscheiden, ob es mitten im Geschehen sein wollte (eigentlich ein großes JA) oder ob es bloß nicht mit Wasser bespritzt werden wollte (eigentlich ein ganz großes NEIN, auf keinen Fall). Da beides zusammen nicht ging, hatte ich immer wieder ein jammerndes Kind auf dem Arm, das dann aber auch unbedingt wieder runter musste, um in die Schußweite der nächsten Wasserpistole zu laufen. Auf der Straße waren die meisten ja noch vorsichtig, aber nahe des Schwanensees am Opernplatz landeten wir dank dem "Da-muss-ich-hin" des Reisekindes in einer Wasserschlacht, die uns klatschnass wieder nach hause brachte. Ich habe sogar ein bisschen gefröstelt und dem Kind lieber die nassen Sachen ausgezogen, denn es waren nur knapp 30 Grad - oder wie eine Mutter auf dem Spielplatz gestern schon frustriert verkündete: "Zu Wardawar wird es immer kalt!"
Ich fand die relative Kälte ja ganz angenehm, sonst hätten wir uns auch nicht am späten nachmittag noch mal zum Platz der Republik gewagt, wo in den Springbrunnen der zweite Schwerpunkt des Wasserfestes neben dem Schwanensee (da gibt es übrigens echte schwarze Schwäne. Ich hoffe, die wurden heute in Sicherheit gebracht!) war.
Kurze Impressionen des heutigen Tages - Fotografieren war übrigens noch schwerer als sonst, denn die Kamera sollte ja trocken bleiben. Ich glaube, heute war auch der Tag, an dem die meisten Jerewaner sogar das Handy zu hause ließen. Auf solche Kleinigkeiten kann man wenn man eimerweise Wasser über Mitmenschen auskippt, nun auch keine Rücksicht nehmen...)






Gute Bewaffung ist alles.

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