Heiße 12 von 12

Langer Tag und deshalb nur kurz vor Mitternacht (armenischer Zeit) die 12 von 12 für "Draußen nur Kännchen" (oder auch nicht. Zumindest finde ich die anderen da nicht. Egal, nun habe ich die Bilder zusammen.)

Eingang Poliklinik


Eigentlich wollte ich morgens als erstes in die Poliklinik nebenan, denn ich höre seit ein paar Tagen auf dem linken Ohr nicht mehr und auch die Gegend um das Ohr fühlte sich eine Weile taub an. Das ist zwar jetzt etwas besser, aber eben nicht gut. Ich war vor zwei Tagen schon mal damit in der Notaufnahme der von der Botschaft empfohlenen Privatklinik, wo ich 25,- Euro für die Info bezahlt habe, dass sie keinen Arzt zur Verfügung hätten. Grrrr. Hier war nun das Problem ein kürzlicher Stromausfall und lange Warteschlangen. Das mit den Stromausfällen wird hier allmählich nervig. (Iran? Energie?? Trump??? – Ok, es ist zu heiß, jetzt darüber nachzudenken.) 


Ich beschließe, dass es doch nicht so schlimm ist, dass ich mir das antun möchte. Also in den gegenüber liegenden Park, noch etwas die Kühle ausnutzen. Da gibt es auch einen der vielen Trinkbrunnen Jerewans (und einen der wenigen zum An- und Abstellen, was ihn  besonders attraktiv macht). Da das Kind in der Klinik noch Schokolade abgestaubt hat, ist Wasser jetzt auch dringend nötig. Wir dienen mal wieder als schlechtes Vorbild, denn natürlich ist das Kind das einzige, das sich nass und schmutzig machen darf. Dafür ist es auch das einzige, das aus de Trinkbrunnen nicht trinken darf. Ich weiss, dass das Quellwasser ist, aber - irgendwie - nein. Einfach nein.



Ich finde es ja auch toll, dass es jetzt Kätzchen im Park gibt. Das Kind interessiert sich allerdings deutlich mehr für die Wasserwanne mit den bunten Plastikfischen. Vielleicht ganz gut so, das Betteln, ob wir nicht eins mit nach hause nehmen koennen, kommt wahrscheinlich früh genug.






Schließlich kann ich es aber doch loseisen und wir gehen nach hause, wo das Kind bei der Nanny bleibt und ich mich auf den langen, heißen Weg ins Büro mache. Nicht ohne Wegzehrung  – Ja, WAS? Viel trinken und auf den Salzhaushalt achten bei der Hitze. Steht doch überall. Ich trinke Cola nur ab 35 Grad und ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht so viel von dem Zeug getrunken wie in den letzten zehn Tagen. Irgendwo müssen ja auch Koffein und Kalorien herkommen.




Weil schon mittag muss ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln statt dem Büroshuttle nach Ejmiadsin. Falls hier jemand mal eine Armenienreise plant: Autobusstation Kilikia (neben der gleichnamigen Bierfabrik), Minibus 203. Steht ja auch alles genau dran.



Das Tor zur Klosteranlage, das wir normalerweise nutzen, ist zu wegen der Proteste gegen den Katholikos, die in der letzten Wochen (angeblich) eskaliert sind. (Den Blogeintrag dazu habe ich fast fertig, am Wochenende dann mehr.) Jetzt muss bin ich nur genervt, dass ich in der glühenden Sonne warten muss, bis eine Kollegin von innen aufmachen kann. Und die muss extra 50 Meter durch die pralle Sonne laufen.

Da sollte kalte Luft rauskommen. Eigentlich.













Nicht, dass es im Büro viel kühler wäre als draußen. Die Klimaanlage funktioniert nicht. Die zentrale Kirchenverwaltung schaltet sie einfach nicht an, obwohl wir sogar einen Vorschuss auf unsere Stromrechnung bezahlt haben. Niemand weiß warum, aber wen  man wissen will, wie wichtig der Kirche ihre Sozialarbeit ist, wäre das schon mal ein Hinweis. Denn arbeiten kann bei dem Wetter keiner.

Bei mir rächt sich nach drei Stunden schon, dass ich morgens nicht beim Arzt war. Das taube Gefühl im Gesicht wird wieder stärker und ich beschließe, doch noch mal zum Arzt zu gehen. Meine Kollegin ist nur zu bereit, mich als Dolmetscherin zu begleiten. Überall ist es besser als in den 39 Grad, die wir im Büro jetzt erreicht haben. Also in ein weiteres von einer Kollegin empfohlenes Krankenhaus. Endlich eine Diagnose: Verschleppte Mittelohrenentzündung. Mit einer langen Verschreibungsliste raus.


Schickes Wandmosaik gegenüber der Klinik, übrigens.


Ich bin nur kurz zu hause, denn heute ist ein besonderer Abend: Ich gehe aus. Alleine. Mit einer Kollegin aus Uni-Zeiten, die zur Feldforschung hier ist, und die ich zum letzten Mal vor über zwei Jahren gesehen habe. Das war damals auch so ziemlich einer der letzten Abende, an denen ich überhaupt aus war. Das lasse ich mir nicht von einer Mittelohrentzündung verderben. Kurzer Stich, als ich sehe, wie andere Kinder am Denkmal gegenüber des Restaurants rumtoben. Aber auch mal schön, nicht mit (mindestens) anderthalb Augen und einem halben Gehirn immer beim Kind sein zu müssen.



Yerevan bei Nacht.





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