Balkanroute

Als wir auf dem Weg nach Tirana in Wien auf den Anschlussflug warteten, haben das Reisekind und ich uns schwesterlich die erste deutsche Zeitung seit Monaten geteilt: Ich bekam den Politikteil, das Kind den Rest. Das Aufräumen der Fetzen war es wert, dass ich einen Artikel lesen konnte, der genau von der Strecke als neue Flüchtlingsroute schrieb, die wir nur wenige Tage später auch zurücklegen würden - ganz bequem im Taxi, mit Kindersitz und freundlichen Grenzbeamten: Tirana - Montenegro - Sarajevo. Die Grenzen an sich haben mich fast enttäuscht. Ich bin ja mittlerweile die super modernen Grenzstationen des Südkaukasus mit Klimaanlage, sauberen Toiletten, Gepäckdurchleuchtungsanlagen und Geldwechselstationen sowie Cafés oder wenigstens Getränke- und Snackautomaten gewohnt. Auf der Stecke hat man noch ganz altmodisch Schlagbäume und Bretterhütten, man muss nicht aussteigen, bekommt dafür aber auch beim besten Willen nichts zu essen und kann auch kein Geld wechseln, was wenigstens erlaubt hätte, in Montenegro irgendwo etwas zu kaufen. Nicht, dass es viel Gelegenheiten gegeben hätte: Ab der Hauptstadt Podgorica, die wir bald nach der Grenze streiften, kam bis Sarajevo - nichts. Sehr viel Natur, aber ehrlich: Den Blakan hatte ich mir dichter besiedelt vorgestellt. Ok, wir sind wohl durch eines der beliebtesten Camping- und Wildwassergebiete Südeuropas gekommen, aber das haben wir im Regen nicht so richtig würdigen können.
Aber alles: Jammern auf hohem Niveau, wenn man an diejenigen denkt, die sich illegal durch die Wälder schlagen müssen. Allerdings muss ich sagen, dass bei meinen Interviewpartnern sowohl in Albanien als auch in Bosnien-Herzegovina die Einstellung zu den Flüchtlingen noch recht entspannt: Ja, sie sind da. Ja, das wird nicht leicht und es müssen Integrationsmöglichkeiten geschaffen werden, alleine werden wir aber wenn ein paar gut Ausgebildete dabei sind, wäre das eigentlich gar nicht mal so schlecht. Aber wem kann man verübeln, dass er nach einer Flucht über das Mittelmeer nicht unbegningt in einer Bauruine am Rand von Tirana bleiben will? Und sicher sprachen auch meine Partner nicht unbedingt für alle (wobei es schon mal ein gutes Ziechen ist, wenn sich Vertreter von Sozialbehörden so äußern...)

Hier wenigstens ein paar wacklige Impressionen aus dem Autofenster (und, ja - das Wetter war so schlecht, wie es aussieht!)

Schief, aber nicht weniger eindrucksvoll: Der albanische Doppeladler an der Ausfahrt aus Tirana








Kommentare