10 Monate Armenien

Den letzten Rückblick habe ich im Dezember, vor dem Heimflug zu Weihnachten nach etwas mehr als drei Monaten Armenien geschrieben. Seitdem wollte ich immer mal wieder, kam aber zu nicht dazu. Nun aber heute, wieder kurz vor dem Deutschlandflug in die Sommerferien. Nach einigen noch recht nervigen Tagen im Büro, in denen schief ging, was schief gehen konnte, frage ich mich auch, ob ich keinen Rückblick schreiben wollte, weil es zu viel anderes zu schreiben gab, oder weil es eben gerade nicht genug Zusammenzufassen gab.

Arbeitsmäßig sind die Ergebnisse mager, da gibt es nichts zu beschönigen.  Da hilft es auch nicht, dass die armenischen Kollegen und auch der Chef offensichtlich zufrieden mit mir sind - ich bin es nicht. Ein Grund ist sicher, dass mein Hauptprojekt, das Friedensprojekt mit den aserbaidschanischen Partnern, nach langen Debatten nun wohl sicher gescheitert ist (dazu u.a. hier und hier), und zwar nicht nur an den diversen nationalen Problemen, sondern auch an Entscheidungen, die in Europa getroffen worden sind und für die wir auch nie eine Erklärung bekommen haben - was übrigens nicht heißt, dass ich sie nicht rein theoretisch verstehe. Es ist nur sehr offensichtlich (und frustrierend), dass eine Geberorganisation so demonstrativ keine Lust hat, mit so irrelevanten Menschen wie den lokalen Partnern zu kommunizieren, warum man wie handelt. Die anderen Gründe sind vielfältig und sehr ermüdend. Nichts worüber ich schreiben oder auch nur nachdenken möchte.

Natürlich kämpfe ich auch mit der bekannten Vereinbarkeitsfalle aus (Vollzeit-)Arbeiten und alleinerziehend mit Kleinkind, wobei die kulturellen Unterschiede in der Kindererziehung und die Jerewaner Infrastruktur es auch nicht unbedingt einfacher machen. Da es mir wohl nicht mehr gelingen wird, die Nanny davon zu überzeugen, dass ein fast Zweijähriges mehr als eine knappe Stunde Bewegung am Tag braucht und dass es schön ware, wenn sie ihren Babysprache-Wortschatz auf über dreißig Worte erhöhen würde, wird die Kindergartenfrage wichtiger. Jetzt brauche ich nur noch einen für unter Dreijährige, bei dem es eine Eingewöhungszeit gibt und keine militärische Früherziehung. Wie wahrscheinlich ist es, das der nach einem Jahr Suche in den Sommerferien vom Himmel fällt? Aber im Grossen und Ganzen haben wir es - denke ich - gut geschaft. (Vielleicht mit Ausnahme der letzten drei Wochen zwischen Grippe und Hitze - das war definiv nicht meine Zeit als Traummutter.)

Und sonst so?

Auch wenn schon fast wieder im Alltag untergegangen: Hauptereignis war natürlich die Revolution und alles, was sich drumherum so ereignete. Ausgestanden ist sie - gerade in Hinblick auf die Situation in der Kirche - noch nicht und wir werden sehen, in welches Land wir Ende August zurück kommen und aus welchem wir dann zum nächsten Weihnachtsurlaub aufbrechen. Denn allem zum Trotz ist erstmal die Entscheidung für ein weiteres Jahr hier gefallen.

Wir waren mehrmals in Tbilisi: Das Reisekind zweimal (einmal mit mir und Oma, waehrend ich arbeiten musste und einmal bei unserer Selbst-Evakuierung), ich mit meiner Tages-Dienstreise sogar dreimal.

Ein paar Kurzreisen innerhalb Armeniens - nach Gyumri, Jermuk, in die Grenzregion im Nordwesten und sogar noch zwemal nach Dilijan - haben die neue Heimat noch etwas vertrauter gemacht. Zur größeren Vertrautheit auch beigetragen, dass ich jetzt lesen kann. Weitere Sprachkenntnisse sind bisher allerdings nicht zu verzeichnen.

Wir waren eine Woche auf dem Balkan - Albanien, Bosnien und dazwischen (Sarajevo und "dazwischen" kommen noch als Posts!)

Wir haben einiger Ereignisse gedacht, die (nicht nur) für Armenien von Bedeutung waren: Dem Genozid, dem Beginn und Ende des Zweiten Weltkriegs in der Sowjetunion und dem Beginn der Karabach-Bewegung.

Ach ja, und natürlich Ostern und Wardawar gefeiert.

Vielleicht doch nicht so wenig. Und nicht wenig ist auch noch zu tun, bis wir in sechs Stunden zum Flughafen aufbrechen - Packen mit Kleinkind ist nun mal nicht möglich. Andererseits bin ich bald wieder im Land der Kinder-Second Hand-Läden - muss ich da überhaupt packen?

Sommerspaß in Yerevan

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