Was gut ist

Zugegeben: Das "Es nervt"-Gefühl ist immer noch vorherrschend, aber gerade deshalb konzentriere ich mich mal auf die guten Dinge. Vor allem da die Frage nach dem "Gehen oder Bleiben" mal wieder ganz massiv im Raum steht. Nein, nicht nach Deutschland zurück, es würde schon der Kaukasus bleiben, aber eben nicht mehr Jerewan und nicht mehr die jetzige Organisation. Zeit für eine Pro-Liste.

- Das Reisekind liebt die Nanny und läuft ihr morgend strahlend entgegen. Und mir nachmittags. Scheint also soweit zu passen.

- So sehr es nervt, dass mein Haushalt eben nicht mein Haushalt ist, sondern sich die Nanny permanent einmischt, ist mir schon klar, dass es unglaublicher Luxus ist, in eine aufgeräumte Wohnung zu kommen und meistens auch noch etwas zu essen auf dem Herd zu finden. Ok, das ist dann meistens immer noch kleinkindgerecht püriert und gewürzt, aber hey - da bin ich nun nicht kleinlich.

- Da auch mein nebenan wohnender Vermieter in den Genuss der Mengen kommt, die die Nanny produziert, kauft er auch oft ein. Da einkaufen mit Kind hier ganz oben auf der "es nervt"- Liste steht, bin ich dafür sehr dankbar.

- Apropos einkaufen: Gestern hat mich ein älterer Mann vorgelassen, als er sah, dass ich - mit Kind auf einem Arm und einem Liter Milch im anderen - permanent von der Kasse weggedrängelt wurde. Ich war so fertig, dass ich vor Dankbarkeit fast losgeheult hätte. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft ich einzelne Artikel schon wieder ins Regal gelegt und mit dem Kind fluchtartig aus einem Laden bin, weil es hoffnungslos war, an die Kasse vorzudringen, wenn man keinen Ellbogen frei hat. Es gibt aber offensichtlich auch andere Menschen.

- Zurück zu meinem Vermieter: Er ist der perfekte Leihopa für das Reisekind und hat sich angewöhnt, immer dann zu klopfen und mir einen Kaffee anzubieten, wenn er hört, dass sie einen Wutanfall hat. Meistens ist sie dann so begeistert von seiner Kaffeebohnen-Mahlmaschine, dass der Wutanfall vergessen ist und ich in Ruhe Kaffeetrinken kann. Besser geht es nun wirklich nicht.

- Ich mag Jerewan. Es ist genau die perfekte Mischung aus Großstadt, in der sich die verschiedensten Menschen tummeln, und Kleinstadt, in der man diese Menschen auch mal einfach so auf der Straße trifft. Darunter sind auch Menschen, die wenn sie essen gehen, mich mit Kind ganz selbstverständlich fragen, ob wir mitkommen. Egal, wie andere dann gucken. Langsam sammeln sich in meinem Freundeskreis auch andere Eltern mit Kindern. Auch schön.

- Ich mag (mit den statistisch üblichen Ausnahmen) meine Kolleginnen. Ich kann mit ihnen lachen und Pläne schmieden - ok, die Pläne werden in den Strrukturen nichts, aber ich will mich ja aufs Positive konzentrieren.

Reicht das? Ich weiß es gerade nicht. Echt nicht. Wetter, Wein und Gehalt würden sich nicht wesentlich ändern, das zählt also nicht. 

Kommentare

  1. In Jerewan war ich auch schon mal, vor etwa 30 Jahren, fand ich sehr schön, auch Tbilissi und Baku kenne ich von damals. Also nur vom Reisen. Wird sich wohl sehr verändert haben... Alles Liebe zu Ihnen und dem Reisekind! Sabine

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  2. Oh, den Kommentar sehe ich jetzt erst - ich sollte öfter mal in die Kommentare gucken! Ja, die Städte verändern sich rasant, Jerewan für mein Gefühl noch am wenigsten, aber mit der Stadt vor 30 Jahren sicher nicht mehr zu vergleichen. Alles Liebe zurück!

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