Es nervt

Alles.

In unklarer Reihenfolge:

Die Geberorganisation, die uns erst einen ganzen Folgeantrag schreiben ließ und dann die Gelder um die Hälfte kürzte. Und die Projektzeit. Und den ganzen Antrag deshalb umschreiben ließ.

Die Gutachterin besagter Geberorganisation, die jeden Kommentar mit den Worten begann "Ich habe keine Ahnung von der Region oder dem Thema, aber ihr müsstet..." Du hast keine Ahnung. Danke. Und das nächste Mal nehmt ihr bitte jemanden, die wenigstens den Wikipedia-Eintrag zu Armenien lesen und zu den Karten am Antragsende scrollen kann, ja?

Die Nanny, die meinen Hinweis, sie solle bitte nicht zwei Bodys und eine Hose des Reisekindes alleine in die Waschmaschine stecken, damit beantwortete, dass sie das nächste Mal noch meinen hellen Lieblings-Wollpulli und eine noch färbende neue Jeans mit dazupackte. Der Grauschleier beim Anblick der Wäscheleine war kein frühes Depressionsanzeichen, wie ich zuerst befürchtete. Immerhin.

Das Reisekind, das alles allein machen muss, aber nur wenn Mama in einem Meter Entfernung sitzt, und das sich einen unglaublich nervigen Sirenenton angewöhnt hat.

Die Spielplatzprioritäten, die hier ungefähr so aussehen: Dreijähriger haut Reisekind wiederholt mit dem Kipplaster - Oma guckt nicht mal vom Kaffee auf. Reisekind fällt hin und rappelt sich langsam wieder auf - zwei Mütter/Omas rennen und heben es auf, putzen es ab und erklären mir, die direkt daneben steht, mit vorwurfsvollem Blick: "Es kann noch nicht aufstehen!" Äh, eigentlich schon. Reisekind wühlt beide Hände in die Erde - aus jeder Ecke des Spielplatzes tönt voller Entsetzen: "NEIN. VERBOTEN!!! ES MACHT SICH SCHMUTZIG!!!"

Die Supermärkte, in denen man mit Kinderwagen nicht reinkommt, und mit Kind an der Hand auch besser nicht, weil die Gänge zu eng und vollgepackt sind. Kurz: Alle Supermärkte in zwanzig Laufminuten Umkreis.

Die Bedienung in den besagten Supermärkten. Käse-, Oliven-, Salat-, Wursttheke. Fünf Personen auf fünf Metern. Keine tut was. Nach einer Minute stummen Wartens: "Kann ich bitte 200 Gramm Oliven haben?" - Keine Reaktion. "Kann ich bitte 200 Gramm Oliven haben?" Keine Reaktion. "Kann  ICH BITTE..." Eine ruft einen Namen nach hinten. Übersetzt die unverständliche Antwort, in dem sie zehn Finger in die Luft hebt. In zehn Minuten. Kollegin hat Pause.

Der neue Premierminister, der als erstes mit ein paar Bemerkungen zu Karabach zeigte, dass in Hinsicht auf Friedensverhandlungen mit ihm nichts zu machen ist.

Die Kolleginnen. Eine spricht immer noch nicht wieder mit mir. Da unsere bisherige Kommunikation in erster Linie darin bestand, mir zu sagen, dass ich dumm bin, kann ich eigentlich damit leben. Aber nun erzählen mir alle alle Gemeinheiten gegeneinander in den letzten 18 Jahren. Kann sich noch um Jahre handeln, bis wir da durch sind.

Die sich ständig nach Gewitter anfühlende Luft.
Die ständigen Gewitter.
Der nie stimmende Wetterbericht.

Alles.

Ich bin urlaubsreif.

Kommentare