12 von 12 in grau

Der letzte 12 von 12 von Draußen nur Kännchen war der letzte normale Tag für eine gefühlt lange Zeit. Heute könnte - hoffentlich - der letzte Tag der Ausnahmen aus Revolution und Besuch sein. Ein bisschen Alltag wäre mal eine schöne Abwechslung.
Heute aber wachen wir noch mal inj Dilijan im Norden auf, wo wir unserem Besuch etwas armenische Berge zeigen, bevor sie morgen nach Tbilisi zurück fährt.
Leider ist das Wetter durchwachsen.


Damit ist der eigentlich schöne Garten mit Spielgeräten und einer Sandkiste (einer Sandkiste! DER Sandkiste! Der einzigen mir bisher bekannten in Armenien!) leider nur begrenzt benutzbar. Und die echt deutsche Matschhose, die die Oma neulich mitgebracht hat, liegt natürlich in Yerevan.


Im alten Einkaufszentrum konnte man offensichtlich zu Sowjetzeiten auch Regenschirme erwerben. Heute sind sie gerade im Umbau und alles wirkt sehr dunkel und heruntergekommen. Außerdem verliere ich Regenschirme soweiso immer gleich wieder.

Dieser sowjetische Laden ist schon renoviert und beherbergt heute nun ein Café. das das Kaffeekochen sehr ernst nimmt. Ich bin  ja eher so "Hauptsache heiß und Koffein" aber man kann das ganze eben auch mit Abwiegen der Bohnen, Wassertemperaturmessen und Sanduhr fürs Ziehenlassen zelebrieren.



Direkt gegenüber von dem Café geht eine steile Treppe runter in die restaurierte Straße von Alt-Dilijan. Meine Freundin stöbert etwas in den Souvenirgeschäften und kauft Postkarten, während das Reisekind und ich Treppensteigen und Blütenblätter sammeln bzw. wieder verstreuen.



Dann testen wir die Touristinformation, um herauszufinden, ob und wie meine Freundin morgen zurück nach Tbilisi kommt - kompliziert, wie sich herausstellt, vor allem wenn man bedenkt, dass wir eigentlich direkt an der Yerevan-Tbilisi-Trasse sind. Hier ist auch ein Denkmal für den sowjet-georgischen Film "Mimino". Wir kommen kaum ran, denn eine russische Reisegruppe muss sich in allen Kombinationen mit den Filmhelden fotografieren lassen. Warum das Denkmal allerdings hier steht, weiß keiner so recht. Später erzählt ein Taxifahrer, in dem Film würde das Dilijaner Wasser als das beste überhaupt gelobt. Na, wenn das kein Grund ist. 



Dann fängt es schon wieder an zu regnen und nach einem kleinen Spaziergang finden wir das dritte bekannte Café in Dilija, das ich bisher noch nicht kannte. Sehr bunt, mit einer tollen Spielkiste für das Alter des Reisekindes und einem noch tolleren Spiel-Klavier. Da wir die einzigen Gäste sind, stört es auch nicht, dass es hingeungsvoll ausprobiert wird. Auch wenn die Speisekarte nicht toll ist, essen wir trotzdem noch etwas, denn immerhin ist das Kind beschäftigt.



Eigentlich kommt man ja aber nicht zum Kaffetrinken nach Dilijan, sondern um Klöster zu besuchen oder im Nationalpark zu wandern. Da es zum Wandern zu nass war, beschlossen wir doch die übliche Klostertour nach Goshavank und Hagartsin mit dem Taxi zu machen. Sagte ich schon, dass das Wetter bescheiden war?


Goshavank ist das einzige mir bekannte armenische Kloster, das in einem Dorf liegt, und entsprechend hat es auch eine auffallende Menge an Souvenirständen. Meine Freundin entdeckt hier nun den Thymiantee, den sie schon gesucht hat und ich nehme auch eine Packung mit, auch wenn die Aufschrift etwas irritierend ist: 


(Ich habe um diese Zeit übrigens einen kurzen, aber heftigen Heimwehanfall, als ich daran denke, dass gerade in Berlin die Demo gegen Kinderarmut stattfindet. Dazu wollte ich auch noch etwas schreiben. In grauer Vorzeit, als ich noch dachte, der April würde ein langweiliger Monat werden, in dem ich sowieso keine Blogthemen finden würde... Vielleicht schaffe ich ja in den nächsten Tagen noch was. Halbgeschrieben ist er.)

Für Bilder von Hagartsin war das Wetter nun doch zu grau und dunkel (und meine Handykamera zu schlecht), deshalb ein Bild von dem künstlichen See im Zentrum von Dilijan. Bisher hatte ich ja immer gedacht, es läge am Winter, dass da kein Wasser drin ist und die künstlichen Schwäne so unglücklich auf ihren Steinhaufen sitzen. Scheint aber normal zu sein. Schade. Wird aber mit dem neuen Premierminister sicher besser. Wie alles.


Der Rest des Tages verlief unspektakulär, vielleicht abgesehen davon, dass ich wirklich einen neuen Handyakku brauche. Nach dem Bild war nämlich Schluß mit fotografieren. Mehr grau braucht aber auch kein Mensch.

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