12 von 12 - fast schon Sommer

12 von 12, der allmonatliche Aufruf am 12. des Monats zwölf Bilder zu posten von "Draußen nur Kännchen". Nach wie vor bin ich mit dem Format unsicher, da ich im Moment einfach nicht gerne fotografiere (war mal anders, wird hoffentlich auch wieder anders.) Trotzdem.

Heute morgen konnten wir ausschlafen. Ich habe um 11.00 einen Zahnarzttermin und da lohnt es sich weder vorher noch nachher ins Büro zu fahren. Da wir beide bis neun schlafen und es noch gerade so schaffen, zu frühstücken und anzuziehen, bevor die Nanny kommt und ich los muss, beginnt der Tag mal mit einer aufgeräumten Spielecke. (Die Nanny hat einen Ordnungstick und da das Reisekind abends eigentlich mit allem außer seinem Spielzeug spielt, ist die Spielecke morgens oft noch in dem Zustand. Nur eben nicht lange.)


Beim Überqueren des Opernplatzes stelle ich fest, dass es offensichtlich doch noch reale Protester gegen die aktuelle armenischen Politik gibt. Im Vergleich zu den Aktivisten auf Facebook ist die Gruppe, die hier offensichtlich eine Dauer-Mahnwache abhält, aber doch sehr klein. (Edit ein paar Tage später: Ok, total geirrt was die Größe der Sache angeht.)



Mein Zahnarzt ist im Univiertel und ich werde auf dem Weg durch den Grüngürtel fast ein bisschen nostalgisch. Lange ist es her, dass diese Ecke Yerevans mein Zentrum war. Aus Nostalgie (und weil ich sonst die zwölf wieder nicht voll bekomme) gleich zwei Bilder.

Das Berg-/Bunker-ähnliche Gebäude ist die U-Bahn-Station Yeritasardakan.
Sowjetisch, aber nicht unorginell - was es auch immer darstellen soll. 


Eine schicke Klinik für Ausländer, die in ihren Wandsprüchen mein Klischee von amerikanischen Teambuildung Versuchen in kapitalistischen Firmen schon fast karikieren. Aber die Behandlung ist und gut bestätigt, was ich ja schon befürchtete: Die Entzündung unter einem Vorderzahn ist chronisch, hat den Knochen bereits ziemlich geschädigt und jetzt hilft nur noch ziehen, heilen lassen und Implantat.



Wenn die Klinik Karriere im Medizintourismus machen will, sollte sie allerdings noch etwas an Kostenvoranschlägen arbeiten. Es dauerte fast eine Stunde, bis ich meinen in der Hand hatte. Zum Glück sagte meine halb dienstlich - halb private Verabredung in der Zeit ab. Ich hätte es sowieso nicht mehr in ihrer Mittagspause an die Uni geschafft.
Die unerwartet freien Stunden nutze ich mit einem Besuch im Artbridge, meinem alten Stammcafé, das nun wegen vieler Treppen und Bücher mit Kind leider nicht mehr so praktisch ist. Gerade ist da eine Karikaturenausstellung.



Ein ganzer Cappuccino mit Milchschaum nur für mich! Ganz allein!! Ohne Kind, das unbedingt die Hälfte will. Mindestens. Ja, auch vom Kaffee. Und so viel Schaum!!! Mjam.



Und wie verdirbt man sich am besten diese geschenkten Stunden? Man liest die Berichte zur Wahl in Aserbaidschan (man kann alternativ natürlich auch die Entwicklung in Syrien verfolgen, aber das hebe ich mir für den Abend auf.) Aliyev hat sich die inzwischen schon klassischen 86% Pro-Stimmen gegönnt. Spannender ist eigentlich die Wahlbeteiligung, die laut Opposition bei 15%, laut offiziellen Zahlen bei 75% lag. 15% kommen selbst mir sehr wenig vor, andererseits kenne ich keinen Aserbaidschaner, der gewäht hat.
(Es gibt sicher eine Regel, nach der bei 12 von 12 nur an dem Tag gemachte Fotos zählen. Egal, mein Lieblingsfoto aus Baku von 2010 muss auch acht Jahre später noch mal rein. Es hat auch schon Tradition, dass ich es zu Wahlen in Aserbaidschan poste. Hat sich ja nichts geändert:)



Gerade noch Zeit, um ohne Kind einkaufen zu gehen. Trotzdem vergesse ich ein Bild im Laden, aber immerhin mache ich eins von dem neu entdeckten, weitgehend plastikfreien Obstladen. Und ein typischer Vertreter des post-sowjetischen Umbruchskiosk ist er auch noch.


Hier blüht schon der Flieder. Ich verzichte darauf selbst einen Busch zu kaufen, gucke mir aber gern die Fülle an den vielen Blumenständen an.


Eigentlich hatte ich gehofft, noch ein paar schöne Bilder aus dem benachbarten Park zu bekommen, aber das Reisekind kränkelt und will nicht mehr raus. Schade, denn der neuentdeckte Balkon in der Nachbarschaft hätte ihr sicher auch gefallen. Naja, der läuft uns ja hoffentlich nicht weg.



Etwas Bobbycar fahren und viel Büchervorlesen und schon ist der Tag zu Ende.


Kommentare

  1. Coole Geschichte, ich freue mich auch auf den kommenden Sommer. Hab eine ganze Menge von Plänen, die unbedingt in die Wirklichkeit kommen sollen. Hoffe, es klappt alles!

    LG,
    Helga aus https://akadem-ghostwriter.de/

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