Was ich den (All-)Tag so mache

Heute mal wieder die bekannte Frage von Frau Brüllen "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?" Heute mal tatsächlich ganz echtes Tagebuch-Bloggen, ohne irgendwelche Besonderheiten.

0.30 Das Reisekind wacht wimmernd auf und beginnt dann zu schreien. Diesmal sind es wirklich die Backenzähne, beide Händchen verschwinden fast im Mund, was der Lautstärke keinen Abbruch tut. Immerhin wirkt der in der Apotheke empfohlene Schmerzsaft schnell und wir schlafen beide wieder ein.
7.00 Wecker klingelt. Kind wird kurz wach, dreht sich dann aber noch mal meckernd um. Ganz ihrer Meinung, aber ich quäle mich aus dem Bett. Eigentlich sollte ich noch etwas aufräumen, denn die Wohnung sieht aus, wie eine Wohnung eben aussieht, in der zwei Menschen wohnen, von denen eine 15 Monate ist und die andere anderes im Kopf hat als Putzen. Die Nanny wird einen Zusammenbruch bekommen, schliesslich reden wir von einer Frau, die Obstschalen (also die, in denen man Obst aufbaut) und im Bad hägende Handtücher für den Gipfel des Chaos hält. Und bei uns ist immer noch Gries in einigen Ecken der Küche (über den Hintergrund blogge ich später noch mal).
7.40 Ich bin fertig. Die Wohnung nicht, dafür habe ich Kaffee getrunken und Nachrichten gelesen. Fasznierend, wie lange ein Land ohne Regierung  funktionieren kan - und damit meine ich nicht Armenien. Ich wecke das Kind, wir kuscheln und in zwei Minuten ist sie von komatoes auf "Durch die Wohnung toben". Toll, so will ich auch mal aufwachen.
8.10 Reisekind und Nanny begrüssen sich strahlend und ich renne los.
8.30 Gerade noch rechtzeitig am Treffpunkt für den Büro-Shuttle.
9.10 Nach einem Umweg wegen eines Unfalls im Büro.
9.30 Allmontagliche Dienstbesprechung. Theoretisch sollten alle von ihren Plänen fuer die Woche berichten, wenn der Chef da ist, macht aber niemand den Mund auf. Also bin ich um
9.55 schon in der Besprechung mit meiner (ohne Ironie!) Lieblingskollegin zum Dauerthema Friedensprojekt. Mit etwas Glück kommen wir diese Woche tatsächlich mal ins eigentliche Arbeitsgebiet. Das glaube ich aber erst, wenn wir wirklich da sind.
10.45 Ich bin an meinem Schreibtisch und arbeite mich durch einen Berg "Development Strategy Plans" - ich habe die Uni verlassen, weil ich die großen, hohlen Phrasen nicht mehr ausgehalten habe. Irgendwo bei der weiteren Berufswahl hatte ich dann einen fatalen Denkfehler. Aber Jahre der Reaktionen auf peer reviews zahlen sich doch aus: Ich kann auch noch die schwachsinnigste Phrase irgendwo in einen Text zu bringen. Um Verständnis geht es hier wie da nicht. Nur bei der Frage "Identifizieren Sie die Konfliklinien zwischen den Gruppen" streike ich dann. Da muss jetzt mal eine Karte von Karabach reichen.
13.00 Ich gehe kurz mit einer Kollegin zum nächsten Laden und höre mir den Ärger im Team mit den neuen Stuerregelungen und den steigenden Preisen an. Ohne eine Lohnerhöhung sieht es hier nicht gut aus. Ich habe ein schlechtes Gewissen, denn auch wenn mir die höheren Preise aufgefallen sind, betrifft es mich doch nur geringfügig, ob das Kilo Kiwi nun 1 Euro oder 1,20 kostet.
Ansonsten verzichte ich auf die Mittagspause und arbeite bis 15.30 weiter, bevor ich zurückfahre und - super schnelle Verbindungen heute! - ab
16.10 zuhause bin und Zeit für das Reisekind habe. Der Nachmittag plätschert so vor sich hin, raus kommen wir trotz des guten Wetters nicht mehr. Offensichtlich habe ich gerade ein Drinnen-Kind. Aber wenn Verpackungen gerade so spannend sind, will ich auch nicht stören.
Vielleicht liegt es am fehlenden Auslauf, aber natürlich schläft Kind erst um halb neun. Das war es dann mit dem Großteil meiner abendlichen Arbeitszeit. Ich lese noch etwas und wundere mich noch, dass bei Frau Brüllen noch nichts freigeschaltet ist, aber stimmt ja: drei Stunden Zeitunterschied. 

Kommentare