Was man so Frieden nennt

Nein, nicht Panzer zu Traktoren, sondern bitte beides fuer
das Wohl des Landes. Imagekanpagne fuer die Armee in Armenien.

Ich habe ja schon über das Friedensprojekt zwischen Armenien udn Aserbaidschan geschrieben, an dem ich unfreiwillig, aber doch begeistert beteiligt worden bin. Unfreiwillig, weil ich selbst kaum noch an die Frieden glauben kann. (Auch nicht an eine ernsthaften Krieg, übrigens. Eher an eine Stabilisierung des Status Quo durch komplette Erschöpfung.) Begeistert, weil es eine Chance war, mich mit meinen Kontakten in ein zu entwickelndes Projekt einzubringen, das mich im besten Fall in den nächsten drei Jahren nicht ständig, aber doch regelmäßig beschäftigen würde und das Menschen aus den beiden Laendern, die mir so wichtig sind, verbinden wuerde. Tatsächlich ist für die Vorstudie zu den Wünschen und  Problemen sowie zu den Vorstellungen von den jeweils Anderen in den Dörfern entlang der Grenze eine tolle Gruppe junger Wissenschafter zusammengekommen - aus meinen Kontakten, um die gerade in manchen Blogs verbreiteten Selbstlobs mal auch hier einzufuehren.

Das hektische Treffen in Tbilisi kurz vor Weihnachten war erstaunlich erfolgreich und die weitgehend praktischen Fragen, die das ganze so schwierig gemacht hatten, konnten geklaert werden. Ich ging in den Weihnachtsurlaub muede, genervt von den ganzen Problemen, aber doch mit der leisen Hoffnung, dass es tatsaechlich ein armenisch-aserbaidschanisches Projekt, moeglicherweise sogar in den Grenzregionen geben koennte.

Was ging schief?

Ich weiss es nicht. Die meisten Armenier vermuten, dass meine Organisation einen Anruf vom Geheimdienst (hier immer noch zusammengefasst unter "KGB") bekommen hat, diese gefaehrliche Kooperation mit dem Feind zu beenden. Ich koennte mir auch vorstellen, dass schlicht die Vorstellung, dass auf diese Weise auch Geld ins Feindesland fliesst, hier schlechte Gefuehle hervorruft. Es werden staendig neue Gruende gesucht, warum es nicht moeglich ist, mit Aserbaidschan zu arbeiten. Der vermutlich ehrlichste "Noch sind wir im Krieg und brauchen Soldaten. Warum sollten unsere jungen Leute dann Aserbaidschaner kennenlernen?" Tja, wo kaemen wir hin, wenn das Kanonenfutter anfangen wuerde zu denken? Persoenlich halte ich die Gefahr, dass sie nicht mehr aufeinander schiessen, nur weil sie sich kennen, ja fuer gering - hat ihre Vaeter und Grossvaeter nach 60 Jahren gemeinsamen Lebens in der Sowjetunion und vielen Freundschaften ja auch nicht davon abgehalten, einander umzubringen. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. (Wobei ich manchnal fuerchet, dass "zuletzt" hier recht bald sein koennte...)

Auf jeden Fall hangeln wir uns seit Weihnachten von einem Krisen-Treffen zum anderen, von einem Gefuehl, dass gerade alles vorbei ist, zum naechsten. Die Forschung wird generell ans unsinnig angesehen, die Forscher permanent als nicht objektiv genug angesehen "Wie koennen wir sicher sein, dass sie die richtige Wahrheit herausfinden?" - so eine Frage kann auch echt nur ein Moench stellen. Oder jemand, der bereits weiss, was er hoeren will und kein anderes Ergebnis akzeptieren wird. Ganz ehrlich: An Stelle unserer Wissenschaftler waere ich auch schon lange aufgestanden und gegangen. Und ich fuerchte allmaehlich, dass das das Ziel des Ganzen ist. Dann koennte man leicht sagen, dass es eben nicht geht und weiterhin "Conflict Transformnation Seminars" machen, in denen Kinder Regenboegen malen, bevor sie wieder an den ueblichen "Tage der Armee" teilnehmen.

Dabei ist nach dem aktuellen Stand das Projekt ein super Erfolg: Die Forscher aus beiden Laendern drohen, sich gemeinsam wegen Behinderung ihrer Arbeit bei der Geberorganisation zu beschweren. Grenzuebergreifende Kooperation? Geschafft. Kritisches Denken bewiesen? Sowieso. Staerkung der Zivilgesellschaft in beiden Laendern? Wenn man davon ausgeht, dass die Kirche in Armenien eher Staat ist (was ich tue), dann: JA.

Warum ich es liebe, im Südkaukasus zu arbeiten.
Warum ich es hasse, im Südkaukasus zu arbeiten.

Alles mal wieder zugleich.

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