Mal wieder WmdedgT

Noch in Deutschland, aber schon in Aufbruchstimmung. Montag geht es los und einiges muss noch erledigt werden. Die berühmte "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?"-Frage von Frau Brüllen ist mal ein guter Einstieg, im neuen Jahr wieder mit dem Bloggen anzufangen.

8:00 Der Vorteil eines spät schlafenden Kindes ist ja, dass es dann lange schläft. So kann ich den Tag langsam und mit einer intensiven Lektüre der Iran-News beginnen. Ein bisschen will ich schon verstehen, was in der Nachbarschaft passiert. Freiheitssuchende Jugend plus wirtschaftliche Verzweiflung gegen Regime, das offensichtlich zu keinen Zugeständnissen bereit ist - nicht gut. Gar nicht gut. Ob die Notfallpläne Armeniens eigentlich auch Flüchtlinge aus dem Iran eingeplant haben?

9:30 Das Kind ist wach und wir frühstücken. Ich räume ein bisschen auf, bevor die frühere Nachbarin  meiner Mutter vorbeikommt. Sie gehört fast zur Familie und will das Reisekind wiedersehen, außerdem wenigstens etwas helfen, unser Chaos zu lichten. Sie ist eine perfekte Hausfrau und verdient sich seit der Scheidung auf die Art gerne ein bisschen dazu. Ich habe ein schlechtes Gewissen, meine Mutter in dem ganzen sitzen zu lassen, aber auch nicht die Kraft, noch alles in Ordnung zu bringen, was sowieso gleich wieder verwüstet wird (von wem bloß?)

11:00 Oma, Nachbarin und Kind sitzen zusammen trinken Kaffee (ja, auch das Kind löffelt wieder begeistert, was es bekommen kann. Und ich frage mich, warum es nicht schläft!), gucken Bilderbücher an und reden. Ich nutze die Zeit, um etwas zu packen und Unterlagen zu sortieren. Kindergeld ist endlich erledigt, jetzt stehen die Freuden der privaten Krankenversicherung für Entwicklungshelfer an - hoffentlich kommt das Geld, das ich in den letzten Tagen an Arzt- und Apothekenbesuchen verjubelt habe, schnell zurück.

13.30 Ich bin mit einer Freundin verabredet, deren Kind im März kommen soll und der ich mein Tragetuch vermachen will. Leihweise, erstmal, wer weiß, was (oder wer) noch kommen wird. Wir treffen uns in einem Kinder Second-Hand-Laden, wo wir beide noch ein paar Kleinigkeiten (Strumpfhosen! - Könnte ich eigentlich auch noch ein paar für mich brauchen) kaufen, um dann ins Kindercafé nebenan weiterzuziehen, wo das Reisekind sein erstes Bällebad nimmt. Ich bin sicher, dass es durch sein internationales Leben viel mitnehmen wird, aber dann denke ich wieder, dass es damit eben auch viel normal-deutsches nicht erlebt. Bällebäder und Spielcafés eben. Von Kindergärten ohne militärische Früherziehung mal ganz zu schweigen.

15:35 Beim anschließenden Spaziergang pennt das Kind natürlich ein. Das wird wieder ein langer Abend.

16:15 Wir sind wieder zu hause und ich beschließe, mir noch einen Weihnachtswunsch zu erfüllen, bzw. erfüllen zu lassen: Mal drei Stunden ohne Kind in der Sauna. So spontan hat natürlich niemand Zeit, aber macht nichts.

Von 17.00 - 20:00 trotzdem schön im Stadtbad praktisch nebenan. Oma und Kind gehen inzwischen was essen und noch ein paar Einkäufe machen.

21:30 Streite mit meinem Handyanbieter, der mir eine neue Simkarte geschickt hat, die seit dem 29. Dezember aktiviert ist, aber nicht funktioniert. Sie wissen auch nicht warum. Schön. Natürlich habe ich nächste Woche schon wieder die armenische Karte, aber das Online Banking hängt halt an der deutschen. Wäre schon gut, wenn es funktionieren würde.  Es muss trotzdem nettere Dinge geben, mit denen man einen Abend beschließen kann.

21:45 Das Reisekind hat inzwischen ein Französisch-Wörterbuch (so eins mit tollem, biegsamen Plastikeinband) aus dem Regal gezogen und zum Lieblingsbuch erklärt, das es auf keinen Fall loslassen will. Französisch? Meine Güte, das Kind hat echt exotische Vorlieben. Aber meinetwegen, nimm es mit ins Bett. Kann ja nicht schaden.

22.25 Reisekind schläft, bisschen Wein ist noch da, ich tippe diesen Text und verschiebe das leidige Online Check-In von Ukrainian Airlines noch mal. Morgen ist ja auch noch ein Tag.

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