12 von 12 - Es weihnachtet. Etwas.

Heute schon wieder Tagebuch bloggen, diesmal 12 von 12 für Draußen nur Kännchen, aber da ich ja bisher wenig über meinen Alltag geschrieben habe, wird es (zumindest mir) noch nicht langweilig.

Wie jeden Morgen im Moment warte ich um halb neun an der Ecke in der Nähe meiner Wohnung auf meinen Chef, der mich und einen Kollegen mit ins Büro nimmt. Das China-Restaurant, vor dem ich warte, ist eindeutig in Weihnachtstimmung.


Der Torbogen auf dem Klostergelände von Edschmiadzin, an dem sich der Heilige Gregor und der armenische König getroffen haben sollen, als Gregor kam um die Armenier zum Christentum zu bekehren. Der Rest ist 1700jährige Geschichte. Wer durchgeht, dem wird eine Sünde erlassen - und ich gehe jeden Tag auf dem Weg ins Büro unter ihm durch!


Im Büro ist die Stimmung weder besonders weihnachtlich, noch besonders christlich, denn wie man auf dem Bild (schlecht) erkennt, sind in dem einen Teil des Flurs die Bürowände nur halbhoch und die dort sitzenden Kolleginnen beschimpfen sich permanent, dass die anderen sie durch ihre Gespräche stören. Nun ist der Kampf um einen freien Platz im anderen Teil des Flurs entbrannt. Momente, indene ich froh bin, kein Armenisch zu können.


Heute ist Weihnachtstreffen der Partnerprojekteund viele haben etwas zum Verkaufen aus ihren Projekten zu einkommenschaffenden Maßnahmen mitgebracht. Ich bin positiv überrascht, dass die Sachen sowohl qualitativ als auch vom Design her größtenteils echt schön sind (ich weiß auch nicht, warum ich ein so schlechtes Bild vom armenischen Kunsthandwerk habe, ich bin immer überrascht wenn es gut ist). Trotzdem verkaufen sie wenig, weil kaum Kunden da sind. Mein Chef ist beleidigt, dass keine von den eingeladenen Botschaften jemanden geschickt hat, aber nachdem er neulich eine Kollegin beschimpft hat, weil er die Abgesandten der US-Botschaft, die sie letztes Jahr eingeladen hat, nicht mochte, hatte vermutlich keiner Lust, die Einladungen an Botschaften rauszuschicken.


Da wir nun mal räumlich und auch über die Projekte so eng mit der Kirche verbunden sind, tauchen auch immer wieder Männer mit langen Bärten und in Kleidern bei uns auf. Besonders gerne am Buffet. Finde ich ja irgendwie nett. Macht sie so menschlich.


Das Buffet, vor allem der Schmuck aus geschnitztem Gemüse war aber auch gut:


Nach dem Treffen diskutiere ich noch ein paar neuere Entwicklungen unseres Friedensprojektes mit der Kollegin - das ganze ist einen eigenen Beitrag wert - mindestens! Und mache mich dann auf den Weg nach hause. Diesmal im Minibus nach Yerevan.


Das Gegenlicht täuscht, so dunkel ist es noch gar nicht, aber: Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Jedenfalls nicht, dass keine 50km von hier entfernt ein über 5000 Meter hoher Vulkankegel aufragt (ok, von hier aus nur noch 4000 Meter hoch, wir sind ja schon auf 1000 Meter Höhe) Alle haben mir versichert, sobald es richtig kalt wäre, sähe man den Ararat. Nun ist es solide unter Null und nichts mit Berg.


Zuhause packe ich das Reisebaby ein und wir gehen noch mal auf den Opernplatz, wo man um fünf noch etwas Sonne erwischt - in den Parks ist es allmählich doch zu kalt. Außerdem bauen sie da jeden Tag neue Weihnachts-/ Neujahrsdekorationen auf.


Das Reisebaby ist wenig beeindruckt, sondern sucht lieber Blätter. Gar nicht so einfach da hier unter den Bäumen permanent und penibel gefegt wird, aber ein paar klaubt sie dann doch noch stolz vom Boden auf. Ich unterhalte mich kurz mit einer der Fegerinnen, die mir erzählt sie wäre eigentlich Kosmetikerin und Massage-Spezialistin. ob ich nicht in den Ausländerkreisen etwas Werbung für sie machen könnte. Seit sie vor fast dreissig Jahren aus Baku geflohen sei, habe sie nur Pech gehabt. Dann schwärmen wir beide etwas von der glücklichen Stadt am Meer.



Nach dem Ausflug schläft das Kind schnell und ich wärme mir noch die Reste von dem Buchweizen-Pilz-Plov auf, den die Nanny aus meinen Pilzresten vom Wochenende gestern gekocht hat. Luxusleben.



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