Was ich hier so mache - Notizen

Was mache ich hier eigentlich? Also außer mich über Behörden ärgern, ein Kind betreuen und das Land erkunden? Bisher ist mein Tätigkeitsfeld in der Unterstützung einer gar nicht so kleinen, aber doch recht schlecht vernetzten NGO hier recht vielfältig, deshalb ist ein "weiß ich nicht so genau" gar nicht so falsch. Aber eben auch nicht richtig. Eine meiner Aufgaben ist gerade die Recherche zu Social Enterprise in Armenien. Weil es das ist, wovon ich die wenigste Ahnung habe, beschäftigt es mich natürlich am meisten. Außerdem bringt es (noch) die besseren Bilder als sowas abstraktes wie Friedensprojekte mit Aserbaidschan oder Selbstbewusstseinstraining für armenische Flüchtlinge aus Syrien - obwohl ich natürlich auch in die Projekte große Hoffnungen stecke. (Tu ich das wirklich? Äh... ok. Nächste Frage.)
Erstmal zu den Social Enterprise, die gerade richtig in sind in Armenien - besonders bei großzügiger Auslegung des Begriffs. In der Definition, die ich mir und anderen hier immer vorbete, ist es ein Unternehmen, das dazu gegründet wurde, eine drängendes soziales oder ökologisches Problem mit unternehmerischen Mitteln zu lösen. Solarlampe an Schüler aus Familien ohne zuverlässige Stromverbindung verkaufen. Fehlende Arbeitsmöglichkeiten für auf dem Arbeitsmarkt benachteiligte Gruppen schaffen. In ganz weiter Auslegung auch regelmäßige Spenden von Unternehmen an gemeinnützige Organisationen (Kauf eine Flasche Wein und wir pflanzen einen Baum, oder so).
Hier scheint vor allem die Version angekommen zu sein, und zwar in der Sonderform, dass NGOs versuchen, auch noch ein Geschäft aufzumachen, um sich zu finanzieren. Da wird ständig von Cafes geredet, die gegründet werden sollen, um Projekte zu unterstützen (sogar ein Kindergarten, den ich hier auf meiner 'Unbedingt anschreiben'-Liste habe, will ein Café eröffnen, um die Renovierung zu bezahlen - ich würde angesichts des Bedarfs ja eher einem Café die Eröffnung eines Kindergartens empfehlen, aber was weiß ich schon).
Mein Chef träumt davon, die paar Ergebnisse der landwirtschaftlichen Projekte gleich über Fair Trade nach Europa zu verhandeln und ich soll herausfinden, warum das in Armenien bisher keiner macht. Die Antwort scheint nach einigen Gesprächen recht simpel: Weil sich Fair Trade nur für richtig große Exporteure lohnt, oder zumindest für größere als das kleine Armenien in der Regel bieten kann. Und weil der lokale Markt gar nicht so schlecht ist. Nicht mit der Kaufkraft zwar, aber doch mit viel Interesse. Aber  ob das vermittelbar ist? (Einer macht übrigens doch Fair Trade, aber der ist schon eine Weile im Großgeschäft mit Häkelobjekten, da ist Fair Trade nur das Sahnehäubchen.)
Bleiben also bisher die banaleren Ideen des Social Enterpreneurship wie eben Cafés, die sowohl Geld als auch Arbeitsplätze für marginalisierte Gruppen bringen, Kunstkurse für Kinder, die von reichen Eltern sowohl für ihre Kinder als auch für ärmere bezahlt werden oder überhaupt Kulturangebote in Gegenden bringen, wo das Angebot mau ist. Ein solches Projekt ist gar nicht so weit von unserem Büro: Das trotz des etwas abschreckenden Namens "Cross of Armenia" liebenswert-verrückte Projekt eines Künstlers/Unternehmers, der eine Kunstschule, ein "Museum" voller selbst gesammelter Verrücktheiten, ein Restaurant (leider noch nicht ausprobiert), ein Weinkeller mit thematisch gestalteten Tischen voller Gedichte, ein Ausstellungsraum, ein Garten und seit neustem auch ein paar Gästezimmer. Schade, dass ich schon eine Wohnung habe. 
Weil ich nach einigen Interviews zu den Handelsmöglichkeiten Armeniens müde bin  und ohnehin nicht weiß, ob das hier jemanden interessiert, nur noch ein paar Bilder von diesem Projekt. Als Best Practise leider untauglich, denn Kreativität lässt sich nun mal nicht klonen.





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