Noch'n paar Klöster

So viele gab es doch eigentlich in diesem Blog bisher gar nicht, oder? Dafür, dass es in diesem Land kaum etwas anderes an Sehenswürdigkeiten gibt, habe ich mich meiner Meinung nach bisher echt zurückgehalten. Da ich sogar in einem Kloster arbeite (ja, echt!) ist mein Bedarf auch an den Wochenenden ziemlich gedeckt. Andererseits liegen die meisten armenischen Klöster schöner als 'mein' Kloster und oft ist der Weg schon das Ziel (bis das Reisebaby kotzt... - auch deshalb wohl hier nun die letzten Klöster für eine Weile.)
Bei dem Besuch der zwei Klöster in der Nähe von Dilijan habe ich festgestellt, dass ich all die Jahre die beiden Klöster verwechselt habe. Vermutlich ist es allen egal, aber es war nicht Goshavank, sondern Haghartsin, mit dem ich die wohl verrückteste Begegnung in Armenien 1999 immer verbunden habe. Wir waren damals eine kurvenreiche Straße von Dilijan immer weiter hochgewandert und erörterten aus aktuellem Anlass gerade die Frage, ab wann frei herumziehende Rotten von Hausschweinen eigentlich noch als "Haus-" und ab wann schon als "Wild-"Schweine zu klassifizieren wären, als meine Freundin auf einmal meinte "Da kommt ein Auto" ich hielt das für völlig abwegig, aber auf einmal bog ein knallroter Intourist-Reisebus um die Ecke, in dem sich - wie sich dann herausstellte - die Abschlussklasse 1959 der Armenischen Schule Kairo befand, die anlässlich ihres 40jährigen Schulabschlusses aus der ganzen Welt zusammengekommen war, um eine gemeinsame Reise durchs Mutterland zu unternehmen. Damals erlebten wir dank ihnen das einzige beinahe belebte Kloster unser Reise, heute stauen sich auf dem Parkplatz die Autos und eine große prächtig gekleidete Hochzeitsgesellschaft hat das Kloster fest unter ihrer Kontrolle. Gleich zwei Drohnen summen über uns, um auch jeden Moment einzufangen. Ich bin froh beides erlebt zu haben: Die buchstäblich klösterliche Abgeschiedenheit und den heutigen Trubel. Kurz komme ich mit dem Abt ins Gespräch, der mich in perfekten Deutsch anspricht, und ganz offensichtlich gerne mit mir über deutsche Fußballvereine und die Weltmeisterschaft 2006 gesprochen hätte, bei der er in Deutschland war, aber wir wurden von einer Schulklasse unterbrochen, die gesegnet werden wollte. Glück gehabt, ich muss unbedingt mal wieder die Erfolge der deutschen Nationalmannschaft checken, das ist hier ja immer wieder mal Thema.
Und da war noch der alte Abt, der
das Land verfluchte und dafür in
einen Baum verwandelt wurde ...-
nein, ehrlich, ich habe keine Ahnung, aber
genauso sieht dieser Baum für mich aus.
Schade, ich hätte mich ja mit ihm lieber über die interreligiöse Zusammenarbeit bei der Renovierung des Klosters unterhalten. Auf einer Dankestafel wird nämlich dem Emir von Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten gedankt. Ich weiß, dass Sharjah sich mit seinen Museen als Kulturemirat einen Namen macht, aber dass es auch armenische Klöster renoviert, war mir neu. Entdecken jetzt nach den iranischen Schiiten die arabischen Sunniten ihre Liebe zu Armenien? Ich will doch nicht hoffen, dass auch der Emir mal zum Cognac-Shoppen vorbeifliegt und nebenbei etwas Klöster renoviert?

Goshavank ist also nicht das abgelegene Kloster, in dem wir letztendlich dank Intourist und der armenischen Scule Kairo landeten, sondern das Kloster, das mich damals so beeindruckt hat, weil es eines der wenigen armenischen Klöster ist, die in einem Dorf liegen. Ob mich nun die Erinnerung trügt, dass damals die Häuser und Scheunen praktisch bis an Kloster gingen und der Mais noch vor der Kirche getrocknet wurde, oder ob der leichte Hügel auf dem das Kloster liegt, frisch von allen Profanbauten gereinigt wurde, könnte ich nur sagen, wenn ich die alten Fotos durchgehen würde, aber die habe ich dann doch nicht hier. Ich würde allerdings angesichts des perfekt angelegten Rasens auf Bereinigung tippen. Der Emir scheint diesmal allerdings unschuldig zu sein, dafür beeindruckt mich eine Tafel mit Erklärungen in Russisch, Armenisch, Englisch, Französisch und Deutsch - und alles in Blindenschrift. Eigentlich gar nicht so blöd, denn mit ihren schönen Steinmetzarbeiten sind armenischen Klöster für Blinde vermutlich sogar ein ganz lohnendes Ziel. Ich werde es mal bei Bekannten mit Reiseangeboten einfließen lassen.

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