Was lange währt...

Ok, es waren nur drei Wochen und zwei Tage. Aber ohne Kinderwagen, Hochstuhl, ohne das meiste Spielzeug und zunehmend auch ohne meine warmen Sachen, waren es doch recht lange Wochen, die noch länger wurden, weil mir alle Horrorgeschichten vom Zoll erzählten. Vom Hochzeitskleid, dass 75,- Dollar gekostet hatte und vom Zoll, der dafür 250,- Dollar wollte - drei Wochen nach der Hochzeit. Von zwei Tagen, die man an drei verschiedenen Standorten des Zoll verbracht hat, um dann zu erfahren, dass die Sachen doch noch gar nicht da sind. Über unendliche Debatten über dann doch kaputte CDs. Als dann noch die Frage nach meinem Residenz Permit (das ich mit viel Glück Weihnachten haben werde) kam, verabschiedete ich mich innerlich schon mal von meinen Sachen.
Aber nun: Meine Kisten sind da. Alle vier, heil, unversehrt, trotz des Transports letztendlich doch über Kiew.
Nun beginnt die Wohnung sich etwas wie unsere anzufühlen. Spielzeug überall zu verteilen, macht viel mehr Spaß, wenn man tatsächlich genügend hat. Das haben wir nun und sogar den wunderbaren Filz-Spiel-Teppich, den ich letzten Sommer aus dem Filzprojekt in der Türkei mitgebracht habe. Aber auch neue Probleme, denn offensichtlich darf man hier Wohnungen nur verändern, wenn man sie kauft. Und ein Teppich, ein Regal und ein Kinderbett sind Veränderungen, die hier nicht erwünscht sind. Angesichts meiner - wie ich finde - bemerkenswerten Toleranz für Polstermöbel, Vasen mit Kunst- und Trockenblumen sowie eigenartigen Wandgemälden, finde ich das nicht ganz fair. Immerhin soll ich theoretisch ein paar Jahre hier verbringen. Praktisch werden es unter den Umständen sicher weniger. Zumindest in dieser Wohnung.
Jetzt habe ich Zeit, mich dem nächsten Katastrophenthema zu widmen: Dem Residence Permit. Nach drei Wochen hat mein Arbeitgeber jetzt die Unterlagen rausgesucht, was wir dafür brauchen. Neben Kleinigkeiten wie einem übersetzten und beglaubigten Pass, Pass einem lokalen Arbeitsvertrag (habe ich immer noch nicht und den dafür Verantwortlichen auch noch nie gesehen), auch ein medizinisches Gutachten, das in einer Poliklinik hier gemacht werden muss. Für mich und das Reisebaby natürlich in verschiedenen. Damit das aber gemacht werden kann, muss ich aber bei etwas, was sich möglicherweise - möglicherweise aber auch nicht - als Bezirksamt übersetzen lässt, die Bestätigung holen, dass ich da wohne, wo ich wohne. Um das zu belegen, brauche ich ein Residence Permit. Die Verantwortliche bei meiner Organisation fragte allen Ernstes, wo das Problem wäre, dafür müsste ich doch bloß - Tja. 
Ich bin sicher, dass es eine Lösung gibt. Gibt es immer. Aber manchmal bin ich gerade sehr müde und der Geduldsfaden ist sehr dünn.
Gute Nacht.

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