BergSee

Der letzte Wochenendausflug zum Sevansee, dem großen Bergsee auf fast 2000 Meter Höhe (also noch fast 1000 Meter über Jerewan) stieß bei den Beteiligten auf sehr unterschiedliche Reaktionen. Während ein Teil der Gruppe es einfach nur unerträglich kalt und öde fand und immer wieder betonte, hier wäre ja gar nichts, fand der andere Teil (darunter ich) es einfach nur wunderschön - oder meinetwegen w-w-w-under-sch-sch-schööön, denn es war nicht zu leugnen: es war saukalt und die ganze Infrastruktur nicht auf Nach- oder Nebensaisongäste eingestellt.  Aber dass es auf der Halbinsel im Sevansee außerhalb der Sommersaison, wenn alle Jerewaner vor der Hitze hier hoch fliehen, gar nichts gibt, ist unfair. Da ist zuerst einmal das Kloster, hoch auf dem Berg, der die kleine Insel bestimmt, da sind die Andenkenstände, die vor allem den hier in der Nähe gefundenen Mondstein in allen mehr oder weniger kitschigen Varianten verkaufen (sieht teilweise aus wie Milchglas und ich bin boshaft und ignorant genug, um zu glauben, dass manches auch Milchglas ist), ein paar Restaurant, die wahnsinnig teure Fischgerichte auf der Karte haben (offensichtlich kostet die Sevanforelle in Jerewan nur die Hälfte von dem, was sie zwanzig Meter von ihrem Fangort entfernt kostet) und natürlich den See, auf dem man sogar noch hätte Schiffchen fahren können. Endlich mal wieder weder von Bergen noch von Häusern verstellter Blick, ich konnte mich gar nicht satt sehen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich das Wochenende mit dem Reisebaby am Strand in der Sonne sitzen können: Sie mit Blick auf die kleinen Steinchen, ich mit Blick auf Kind und See. 
Was es außerdem gab: Touristen. Inzwischen habe ich mich ja daran gewöhnt, dass es davon jetzt einige in Armenien gibt, schließlich lebe ich auch zwischen mehreren Hostels, aber es erstaunt mich doch immer noch. Interessanterweise erwähne ich auch in meinem Reisetagebuch von 1999, dass das Sevankloster damals schon ein Touristenmagnet war (naja, ich spreche von zwei Italienern und einem Franzosen, die auf der Suche nach Khachkaren waren, aber immerhin!) . Ich selbst erinnere mich nur noch an eine verfallene Kolchose, in der uns eine Frau, an deren Brunnen wir unsere Wasserflasche füllen wollten, die Flasche stattdessen mit Milch buchstäblich direkt von ihrer Kuh füllte. Nach meinem Tagebuch war diese Kolchose etwas südlich der Halbinsel am See und ich nehme mir vor, sie irgendwann noch mal zu suchen.
Tourismus gab es auf der Sevan-Halbinsel (die übrigens erst durch die massive See-Wassernutzung für Bewässerung und Energiegewinnung zur Halb-Insel wurde und vorher eine ganz normale Insel in Ufernähe war) offensichtlich auch schon zu Sowjetzeiten. Daran erinnert ein Erholungsheim für Schriftsteller mit phantastischem Seeblick und kühner sowjetischer Architektur und auch einige Restaurants wirken, als wären sie noch für große Intouristgruppen geplant. Denn trotz meiner Verblüffung über jeden einzelnen Touristen: Massen sind es beim besten Willen noch nicht.
(Immer noch keine Fotos. Ich muss das Problem meiner schlechten Internetverbindung mal lösen. Irgendwann.)

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