Weinkeller Georgiens II

So, hier nun endlich der zweite Text zur Georgischen Weinstraße. Vor Wochen begonnen und immer unterbrochen.

Weinberg und Kaukasus in den Wolken

Ok, ich habe jetzt das Gefühl, deutlich klüger zu sein, was den georgischen Wein angeht. Die meisten Erkenntnisse verdanke ich einem Ausflug nach Napareuli, das in der Nähe von Telavi liegt. Nun ist es nicht so, dass man nicht überall rund um Telavi kleine Weinkeller findet, bei denen man auch kosten kann (erkennbar an herumliegenden Qvevri oder großen Stahltanks. Oder beidem.) Aber in Napareuli hat ein georgisches Zwillingsbrüderpaar mit eigener Kelterei und Hotel eine Konkurrenz zu den europäischen Weinspezialisten aufgebaut und mit einem offiziellen georgischen Weinmuseum noch eine Attraktion draufgelegt. Unschwer erkennbar an einem gigantischem, bunt bemalten Qvevri bietet es Weinproben und Kleinigkeiten zu Essen direkt am Weinberg, aber auch Kaffee und Wasser - obwohl wir bei diesem Wunsch doch etwas irritiert angesehen wurden (es war mittags und fast dreißig Grad, da war selbst mir nicht nach Wein.)
Qvevri XXL

Das Museum beschäftigt sich mit einer Menge Puppen und nachgestellter Szenen sowohl mit der Qvevriherstellung als auch mit den Besonderheiten der Weinproduktion in Qvevri und geht auch auf die Produktion von Tschatscha ein. Demnach ist Tschatscha ein Beiprodukt der Weinherstellung im Qvevri. Da werden nämlich die zermantschten Trauben im ganzen eingefüllt, also mit Kernen und Schale. Nach ein paar Monaten ist fast die ganze untere Hälfte des Qvevri mit dem abgesetzten Resten gefüllt und der Wein sammelt sich im oberen Teil - laut einer Graphik ist das in den modernen Stahltanks allerdings auch so. Das Besondere an den Qvevri ist, dass der Wein aus ihnen jeweils anders schmeckt, ja sogar völlig verschiedene Farbtöne annehmen kann, je nach dem aus welchem Ton der Qvevri gemacht wurde und wie er gebrannt wurde. Eine ganze Forschungsgruppe soll sich damit beschäftigen, wie man den Ton für die verschiedenen Trauben perfektionieren kann. Für den Laien war schon die Ausstellung der verschiedenen Tonarten und der daraus resultierenden unterschiedlich farbigen Weine eindrucksvoll. Selbst ohne sie auch noch zu kosten. Nur noch zwölf Meister soll es in Georgien geben, die sich auf das Machen von Qvevri verstehen. Schwer vorstellbar, das wirklich alle der vielen sichtbaren Qvevri, die ja buchstäblich nur die Spitze aller vorhandenen sind, denn die meisten sind ja eingegraben, aus so wenig Werkstätten kommen. Aber andererseits ist so eine Tonamphore ja kaum kaputt zu bekommen, vor allem wenn sie eingegraben ist. Die Ausstellung hat auch Displays zu so brennenden Fragen wie wie der Wein wieder aus den Qvevri rauskommt (kleine Schöpfeimerchen wie für Brunnen) und wie sie gereinigt werden (sieht komplizierter aus, da muss sich wohl jemand reinzwängen).
Ausstellung verschiedenster Tonsorten.
Die Qvevri sieht man natürlich nicht,
die sind unter den runden Löchern im Boden vergraben.
(Angeblich zumindest.)

Die im unteren Teil des Qvevri gesammelten Reste werden dann mit Wasser versetzt und erhitzt, um Tschatscha daraus zu destillieren. Der Wein wird dann wohl doch in Fässern, am besten aus französischer Eiche gelagert.Wie das nun ganz traditionell lief, als französische Eiche nicht so leicht in die abgelegenen kaukasischen Täler kam, wusste unser Führer nicht, wie leider auch hier generell nur eine Führung abgespult wurde und Fragen nicht wirklich erwünscht waren - ebenso wenig wie das Lesen der auf den ersten Blick ganz informativ wirkenden Texte und Schaubilder, denn offensichtlich durfte man nicht alleine im Museum bleiben und der Guide hatte es eilig. Schade, da könnte man noch mehr rausholen.

Ein Qvevri wird vergraben

PS: Wenn irgendjemand das besser weiß, bitte melden. Ich lasse mich nach wie vor gerne über Details des georgischen Weinbaus belehren.

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