Weinkeller Georgiens I

Kachetien ist nicht nur die Kornkammer, sondern vielmehr auch der Weinkeller Georgiens. Ein Grund, da unbedingt mal hinzufahren, vor allem da mein neustes Interesse ja der Kulturgeschichte von Nahrungsmitteln im Kaukasus gilt. Nun ist (fast noch Voll-)Stillen und Wein eine wenig gelungene Kombination, aber ein (oder zwei?) Weinproben werden hoffentlich möglich sein.

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts:
Im Boden vergrabene Qvevri. An der Wand lehnen
Geräte, um den Wein abzufüllen und die Qvevri zu
säubern.
Der berühmte georgische Wein hat seit Ende der Sowjetunion immer wieder und immer mehr ausländische Weinexperten - Profis und Amateure - angezogen, die hier den traditionellen Weinbau kennen lernen wollten. Manche blieben, modernisierten alte Weinkeller und begannen ihren eigenen Wein zu produzieren.
Meine erste Station ist ein solches Weingut, das auch einen Hotelbetrieb hat. Das teuerste Hotel, das ich im Kaukasus je betreten habe und - ok, fassen wir es so zusammen, dass der Besitzer, Herr Schuchmann, Glück hat, dass ich Hotelkritiken im Blog für langweilig halte. Ein Gutes des Hotels ist, dass die Weinproduktion und das Hotel buchstäblich unter einem Dach sind und eine Führung sowie eine Weinprobe im Preis inbegriffen sind. (Wenn die Führer und Leiter der Weinprobe noch mehr als angelerntes Wissen abspulen würden, wäre es noch besser, aber das ist wohl zu viel verlangt...) 
Hier werden Weine sowohl im georgischen Stil, in den Qvevri genannten Tonamphoren, als auch im "europäischen" Stil, in großen Stahltanks, produziert. Die europäischen Weine werden unter dem Label "Schuchmann" vertrieben, die georgischen unter "Vinoterra". Wenn ich unseren Führer richtig verstanden habe, war Vinoterra der Name einer georgischen Winzerkooperative, die Herr Schuchmann 2006 (?) an diesem Ort übernommen und modernisiert hat. 

Moderne Stahltanks unter zumindest auf alt gemachten Dach

Nach der offensichtlich weinkundigen Führerin, deren Führung ich aber leider erst auf den letzten Metern miterlebte, unterscheidet sich die europäische und die georgische Weinproduktion darin, dass der georgische Weinbauer den Wein in den Qvevri füllte und dann nur beten konnte, dass er nach Öffnung des Qvevri nach einigen Monaten oder gar Jahren gut war, während die europäische Methode die Regulierung jedes einzelnen Ablaufs in den Stahltanks durch genaue Einstellung von Temperaturen erlaubte. Ich denke, dass das eher der Unterschied zwischen "traditionell" und "modern" ist, denn auch der deutsche Winzer konnte noch vor hundert Jahren wohl auch nur beten, dass der Wein im Fass richtig alterte. Oder? Da muss ich mich wohl noch besser bilden. Ebenso über Sulfite, die offensichtlich bei Qvevri-Weinen besonders hoch sind und auf den Flaschen extra gekennzeichnet werden müssen (hat jemand eine Ahnung davon? Bitte melden!)
In die Abfüll- und Verpackungsanlage konnte ich nur
kurz gucken, das war leider nicht Teil der Tour.

Vermutlich war ich die erste, die eine Weinführung mit Baby im Tragetuch absolvierte und ich musste mir einiges an Spott zum Thema frühe Gewöhnung an Alkohol anhören - zumindest von ausländischen Gästen. Die georgische Belegschaft fand das vollkommen normal. Nur Chacha - also Schnaps mit mindestens 65% Alkohol sollte man nicht zu früh geben. Alles klar. 

Nicht weit (aber sehr unangenehm zu laufen weil zu einem Teil Überlandstraße) liegt übrigens der Ort Zinandali. Ebenfalls ein berühmter Weinort, in dem auch das Haus - oder eher der Palast - des georgischen Adligen und Dichters Alexander Chavchavadze aus dem 19. Jahrhundert zu besichtigen ist. Nach den Bildern von Likani muss der dortige Palast ähnlich ausgesehen haben und so habe ich durch die Anlage in Zinandali, durch die Architektur, den Garten (eine schöne Mischung aus englischer und französischer Gartenkunst) und die Einrichtung des Hauses von Chavachavadze wenigstens eine Idee, wie der Likani-Palast ausgesehen haben könnte. Oder ich kann es mir zumindest einbilden.

Gestutzte Bäume und Waldanlage vor
dem Chavchavadze-Haus.

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