Likani - oder auch nicht. Dafür Nationalpark. Oder auch nicht.

Diesmal wollte ich es auch nach Likani schaffen, wo im späten 19. Jahrhundert der Generalgouverneur des Kaukasus, ein Vetter des Zaren, seinen Palast hatte, und wo auch der Zar selbst einmal einen Urlaub in Borjomi verbracht haben soll. (Die Geschichte des russischen Adels, speziell der Romanovs, in und um Borjomi ist ein eigenes Thema.Ich war schon mal soweit, sie halbwegs zu verstehen, da stürzte der Computer mit meinen Notizen ab.) 
Außerdem sind in dem dazugehörigen Park weitere Mineralquellen. Leider ist der berühmte Park gerade für die Öffentlichkeit gesperrt. "Irgendetwas Politisches", meint die Mitarbeiterin der Nationalparkverwaltung, die ihr Informationszentrum direkt am Parkeingang hat. "Gehört dem Präsidenten", meinte meine Wirtin (leider erst nachdem wir zurück waren) Da kommt niemand rein." Schade, auf der Werbung der Touristeninformation hatte der Palast sehr lohnenswert ausgehen. 

Da ich nun sowieso schon gereizt war, konnte mich auch das große Informationszentrum für den Borjomi-Kharagauli-Nationalpark nicht mehr glücklich machen, außer vielleicht durch seine Klimaanlage. Ansonsten - hmpf. Riesige Räume, kleine Ausstellung, super geputzt, desinteressierte und und uninformierte Mitarbeiter(-innen, in dem Fall). Das ganze finanziert von deutscher Entwicklungshilfe. Versteht mich nicht falsch: Ich denke, dass Deutschland eher mehr als weniger für die Entwicklungszusammenarbeit ausgeben sollte. Ich finde, Nationalparks, die auch noch Pufferzonen für traditionelle Landwirtschaft und umweltfreundlichen Tourismus haben, sowohl vom ökologischen als auch vom ökonomischen Standpunkt absolut förderungswürdig. Aber wenn man schon Geld in ein solches Zentrum mit Ausstellung steckt, warum macht man es dann nicht richtig? Gehen da wirklich Menschen hin, um Fotos der einheimischen Fischarten anzusehen und von Wikipedia abgeschriebene Informationen z.B. zum Durchschnittsgewicht einer Forelle zu bekommen? Nichts zur traditionellen Landwirtschaft, die im Park an vielen Stellen ausgeübt wird. Was ist das genau, was wird angebaut, wie, wie veränderte sich das Leben der Bewohner durch den Park, wer profitiert, wer nicht? Was ist mit Holzeinschlag und der Verarbeitung? Angesichts der schönen Holzarbeiten hätte ich da auch gerne mehr über Mensch und Natur dahinter gewusst. Eine der wenigen regionalspezifischen Infos war, dass Braunbären überall im Nationalpark anzutreffen sind. Auf die hätte ich nun auch verzichten können, vor allem, da sie frei von jedem Hinweis war, was man in einem solchen Fall machen sollte. Schade. Viel Geld für den Bau - und die Ausstellung wirkt,als habe man das örtliche Gymnasium eingespannt. Obwohl - unter guter Anleitung hätte da auch mehr kommen können.
Großes Schild und großes Haus. Inhalte werden doch überschätzt.

Apropos Durchschnittsgewicht der Forelle: Laut den Angaben im Informationszentrum sind die in den Restaurants von Borjomi zwar etwas klein, aber ausgesprochen schmackhaft. Auch hier - warum keine Infos zu Fangmethoden, Zucht, Naturschutz? 
Ok, ich bin schlecht gelaunt. Und einen Kaffeeautomaten hätte es auch geben können.

Blick über die Kura vom Nationalparkzentrum aus.
Wo die traditionellen Bauern und Holzschnitzer wohnen.


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