Und die rote Fahne wehte...

Ein langes Jahr zu Ende geht... Den Blog habe ich monatelang vernachlässigt, obwohl sogar noch einige halbgeschriebene Posts irgendwo gespeichert sind. Für das neue Jahr habe ich schon mal Besserung gelobt - auch wenn ich den Verdacht habe, dass gerade solche Beteuerungen mindestens der Anfang vom Ende, wenn nicht sogar das Ende vom Ende eines Blogs sind. Mal sehen, ob ich das Gegenteil beweisen kann.
Apropos Anfang und Ende: Heute vor 25 Jahren endete die Sowjetunion offiziell. Zumindest noch nach deutscher Zeit heute. In allen für das Ereignis relevanten Städten - und nach einer davon tickt immer noch die Uhr dieses Blogs - ist jetzt schon Neujahrstag. 
Da sich schon alle Unionsrepubliken (außer Russland, nehme ich mal an) in den Monaten vor dem 31.12.1991 unabhängig erklärt hatten, war das eigentlich nur noch eine Formalie. Die Union bestand ohnehin nicht mehr, wenn sie es denn überhaupt je wirklich hatte.

Ich habe die Entschuldigung, noch sehr jung gewesen zu sein, aber es erstaunt mich doch, wie wenig ich damals von diesem Riesenreich wusste - und wie wenig Gelegenheit, mehr zu lernen ich hatte, denn meine Lehrer wussten kaum mehr. Armenien war immerhin als das Land bekannt, in dem drei Jahre zuvor die Erde gebebt hatte, und von wo in diesem Zusammenhang vielleicht sogar die ersten weitgehend ungefilterten Berichte durch den Eisernen Vorhang gedrungen waren - im Gegensatz zu den Berichten aus Tschernobyl, was mit Moskau und St. Petersburg zu den bekannteren Orten gehörte - dass es nicht in Russland lag, hatten dagegen die wenigsten voll verstanden. Ebenso wie Eduard Schewardnadse, der letzte Außenminister der Sowjetunion, natürlich ein "russischer Politiker" war, wenn auch irgendwie kein Russe.
Aserbaidschan und Kirgistan waren vollkommen unbekannt und Turkmenistan hätte genauso gut eine verächtliche Bezeichnung für die Türkei sein können. 

Was hat sich heute geändert? Für viele sind die Länder, die aus der Sowjetunion hervorgingen, immer noch fremd. Für manche, die in diesen Ländern leben, ist das neue System immer noch fremd. Für andere erscheint es, als habe es nie eine Sowjetunion gegeben.
Vor 25 Jahren bestand die Hoffnung auf eine neue, friedliche Zeit, auf eine beginnende Kooperation zwischen Ost und West. Manche gingen soweit, das Ende der Geschichte auszurufen, denn wie sollte die große Erzählung noch weitergehen? Wir wissen, wie sie weiterging. Und heute - ganz konkret heute - erscheint die aktuelle Annäherung zwischen dem USA und Russland so gar nicht wie ein Garant für den Weltfrieden. Oder zumindest nicht für die letzten Einwohner von Aleppo.

In diesem Sinne ende ich nicht mit dem Majakowskigedicht, aus dem der Titel des Blogeintrags (leicht abgewandelt) kommt, auch wenn es - gesungen von Ernst Busch - zum Verständnis der Faszination des Kommunismus durchaus beitragen kann, sondern mit den Zeilen eines anderen, vom Kommunismus faszinierten Dichters:

Friede dem Roten Platze
und dem Lincoln-Monument!
Und dem Brandenburger Tore
und der Fahne, die drauf brennt!


Friede der Frau und dem Manne!
Friede dem Greis und dem Kind!
Friede der See und dem Lande!
Daß sie uns günstig sind.



(Bert Brecht sollte man nicht für Kitschpostkarten missbrauchen, aber das bietet sich schon irgendwie an)

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