Höhlen für Höhlenhasser

Uplisziche über der Kura

Zu erst einmal: Ich hasse Höhlen. Zu eng, zu kalt, zu viel Gestein über mir. Die Platzangst lässt grüßen. Während ich mich noch dazu zwingen kann, in Flugzeuge zu steigen, weil es nun mal sein muss, mache ich um Höhlen einen großen Bogen. Deshalb habe ich mich auch nie entschließen können, einen Ausflug in die Höhlenstadt Uplisziche zu machen, obwohl sie gar nicht so weit weg von Tbilisi ist. Nun aber war ich im Rahmen meiner Recherche zu besonderen Orten in Georgien - man hat es im Blog vielleicht schon gemerkt, dass ich gerade sehr touristisch unterwegs bin - gezwungen, mir die berühmten Höhlen anzusehen.
Weicher Stein und tolle Formationen
Gleich vorweg: halb so schlimm. Die Höhlen gehen nicht tief in den Felsen und öffnen sich weit zum Kura-Tal hin. Ohne Tageslicht ist man hier nirgendwo. Dafür maule ich mal wieder über die schlechte Beschriftung, denn mit den bloßen Namen der Höhlen kann ich dann doch wenig anfangen, wenn ich mehr über das Leben der Bewohner erfahren will.
Ein Reiseführer verkündet, die Bewohner Uplisziches hätten sich vorwiegend von auf der Seidenstraße vorbeiziehenden Karawanen ernährt – ich beschließe, mir diese Aussage besser nicht bildlich vorzustellen und lediglich mitzunehmen, dass Uplisziche eine Handelsstadt gewesen sein soll.
Von unten sieht der Berg über der Kura nicht besonders hoch aus, eher ein Hügel, jedenfalls im Vergleich zu den Bergspitzen, auf denen Kirchen und Klöster aus Sicherheitsgründen im Mittelalter - als auch Uplisziche seine Blütezeit hatte - oft angelegt wurden. Nach einiger Kletterei über Treppen und vom Regen über Jahrhunderte rund und glatt geschliffenen Steinen bin ich dann doch der Meinung, dass die Stadt vermutlich nicht besonders leicht zu erobern gewesen sein wird. Tatsächlich gelang es erst im 13. Jahrhundert einem Sohn Dschingis Khans die Stadt einzunehmen und zu zerstören (der häufig verwendete Begriff, er habe es „dem Erdboden gleich gemacht“ erscheint mir bei einer Höhlenstadt ein wenig unpassend).

Die Kirche oben auf dem Berg wirkt als ganz normales Bauwerk aus Stein in mitten der abgerundeten Felsen und organisch in den Fels gehauenen Höhlen reichlich deplatziert, wird aber auf das 10. Jahrhundert datiert – demnach hat sich in Uplisziche niemand versteckt, denn die Kirche kann man als Landmarke kaum übersehen. Die Datierung überrascht mich doch, von einer so alten Kirche hatte ich doch schöne Fresken und eine halbwegs edle Ikononostase erwartet, aber das Innere wirkt sehr ärmlich, und ich glaube nicht, dass man den Sohn Dschingis Khans dafür verantwortlich machen kann - eher schon den Schustersohn aus dem benachbarten Gori.
Uplisziche ist einer der touristischsten Orte, die ich in Georgien bisher gesehen habe - ungefähr nach der Altstadt von Tbilisi und Kazbegi. Oder es liegt daran, dass allmählich die Saison beginnt. Immerhin klettern gleich mehrere Touristengruppen auf dem Berg herum und machen glaubhaft, dass hier tatsächlich mal mehrere tausend Menschen gelebt haben können, denn trotz der Busladungen wirkt die Siedlung heute einsam.
Das bemerkenswerteste Erlebnis habe ich allerdings auf dem Rückweg. Hin  war ich mit einem Bus gekommen, der gerade von Gori in das Dorf in der Nähe der Höhlensiedlung fuhr. Noch bevor ich mir Gedanken machen konnte, was ich machen sollte, wenn ich nicht wieder soviel Glück haben sollte, sprach mich ein Taxifahrer an, der gerade Touristen bis direkt zum Eingang gefahren hatte. Ob ich mit fahren wolle. Als ich misstrauisch fragte, wie viel das kosten würde, lachte er nur und meinte nichts, er fahre ja sowieso zurück. Ich habe keine Ahnung, was er den armen Amerikanern für die Tour hin abgenommen hatte, aber für mich rettete er damit bis auf Weiteres die ganze Gattung "kaukasisches Taxifahrer", die sonst sehr weit oben auf der Liste "Warum ich den Kaukasus manchmal hasse"-Liste seht.

Das nächste Mal werde ich zur Abwechslung auch mal wieder politisch. Nicht dass das Ganze hier komplett zum Reiseblog wird.


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