Das wahre Kolchis


Ok, vergesst alles, was ich über Batumi und die Argonauten geschrieben habe - die wahre Hauptstadt von Kolchis war Kutaisi. Die heutige Hauptstadt der Region Imeretien und Parlamentssitz Georgiens führt sogar ein griechisches Schiff und das Goldene Vlies im Stadtwappen: Ein erbarmenswürdig aufgehängter Widder. Hotels heißen "Aietes", "Medea" oder "Argo". Wie man mit dem Schiff bis ins heute fast zwei Stunden vom Meer entfernte Kutaisi kommen sollte, ist mir zwar immer noch nicht klar, aber angeblich war die Ebene, an deren Rand Kutaisi liegt, tatsächlich vor langer Zeit mal ein Arm des Schwarzen Meeres. Heute ist sie unübersehbar fruchtbar, wenn auch etwas langweilig, wenn man die großartigen Bergpanoramen in anderen Gebieten Georgiens kennt.
Im Museum von Kutaisi findet man nicht viel Antikes, dafür wird die Goldschmiedetradition der Stadt im Mittelalter und der Neuzeit durch viel goldenes Kirchengerät und Ikonen. Das goldreiche Kolchis endete nicht mit der Antike.

In der Nähe von Kutaisi liegt das Dorf Wani (oder Vani - georgische Umschriften erschließen sich mir nicht ganz), in dem in mehreren Gräbern umfangreiche Goldarbeiten gefunden wurden. Zwei Schichten hat man in Wani gefunden: Eine aus dem 8./7, Jahrhundert vor Christus und eine aus dem 6.-4. Jh. v. Chr. als Kolchis seine Blütezeit hatte (also lange, lange nach den Argonauten!). Die Grabung von Wani erreichte auf die Weise eine gewisse Berühmtheit - zumindest außerhalb des Ortes. Innerhalb musste ich mich langwierig zum Museum durchfragen, was auch damit zusammenhängt, dass die Russsichkenntnisse in der Gegend wirklich gering sind - und, nein, ich habe nicht das Gefühl, dass es daran liegt, dass die Leute nicht Russisch sprechen wollen. Sie können es einfach wirklich nicht.
Immerhin ein goldener Widder -
im Spielzeuggeschäft in Vani
Tatsächlich lohnt sich der Ausflug zur Grabung im Moment auch nicht. Sie ist kaum erklärt und der berühmte Goldschatz ist im Nationalmuseum in Tbilisi. Angeblich nur ausgeliehen bis das neue Museum in Vani fertig ist. Eifrig gebaut wird auf jeden Fall und vielleicht kann man die Ketten, Armreifen, Ohrringe und Diademe dann auch bald wieder nahe ihrer Fundstelle sehen.

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