Argonauten, Klöster, Theater

Nokalakevi, der "Ort, an dem einmal eine Stadt gewesen sein soll", wie es ein Reiseführer übersetzt, liegt ungefähr 60 Kilometer von Zugdidi entfernt und erhebt (wie Batumi, Kutaisi, Vani ...) den Anspruch, das Ziel der Argonauten gewesen zu sein. Noch ein Ort, an dem die Argo gelandet sein soll. Langsam wird es langweilig? Kann sein. Trotzdem, ich musste nach Nokalakevi. Dabei hatte ich Glück und traf vor der geschlossenen Touristeninformation einen Georgier, der seinem französischen Freund das Land zeigte und auch in die eher abgelegenen Ecken Mingreliens wollte, denn alleine hätte ich es wohl nicht geschafft, mit Umsteigen und an Landstraßen auf den nächsten Bus warten. Zumindest hätte es sehr viel mehr Zeit und Nerven gekostet.
Das kleine Museum neben der Grabung stellt Funde aus Antike und (frühem) Mittelalter aus, Karten zeigen die vielfältigen Handelsbeziehungen zum Mittelmeer und dem Nahen Osten. Die sonstigen Beschriftungen sind allerdings nicht so toll und so stehe ich auf der Grabung vor einer wunderbaren römischen Fussbodenheizung, von der ich keine Ahnung habe, wie sie wohl hierher gekommen ist. Lange nach den Argonauten auf jeden Fall. Ansonsten ist es mal wieder eine dieser Grabungen, die zwar schön grün und landschaftlich reizvoll sind, aber für den Laien vollkommen unverständlich. Mauern einer Festung, eine Kirche, ein Tunnel zum Fluss und eben besagte Fußbodenheizung bringen keinen Überblick über die einzelnen Schichten und das Leben der Bewohner. Angeblich soll die Uni Cambridge hier graben - für den nächsten Besuch bestelle ich bessere Beschilderung. Kann ein paar Jahre dauern, ihr habt also etwas Zeit.

Nokalakevi liegt ungefähr auf halbem Weg zwischen Zugdidi und der Kleinstadt Martvili und da wir nun schon unterwegs waren, besuchten wir auch noch das Kloster, das dort auf einem Hügel über der Stadt liegt. Zum Glück war die Seilbahn kaputt und wir mussten hochlaufen - ich hätte dem Ding sowieso nicht getraut. Das Kloster ist eins der ältesten in Georgien, angeblich vom Apostel Andreas 40 n.Chr. gegründet. (Ja - die Verbindungen zwischen dem Mittelmeerraum und Georgien waren gut!). Es gilt als "Kloster der heiligen Eiche", was etwas irreführend ist, denn die Eiche wurde für die Gründung des Klosters gefällt und bildet nun die Fundamente der Kirche. Eine Enttäuschung für einen meiner Mitreisenden, der von einem echten Eichenableger für seinen Garten träumte. Aber immerhin gibt es eine prachtvolle Linde, deren Samen auch gerade überall herumlagen. Endlich mal eine georgische Kirche mit schönen Wandmalereien und edlen Ikonen, ich habe in letzter Zeit zu viel Kirchen-Beton-Neubauten gesehen.

Eine unerwartete Perle am Weg war übrigens das Theater in der Kleinstadt Senaki, wo wir eine Stunde Aufenthalt hatten. Völlig heruntergekommen, aber mit Resten einer wahnsinnigen Deckenbemalung, Stuck und Vergoldungen. Keine Ahnung, wer auf die Idee kam, im 19.Jahrhundert ein solches Theater in eine Kleinstadt zu bauen, aber die Entdeckung hatte den Ausflug fast schon gerechtfertigt, bevor er überhaupt angefangen hatte.

(Der Post sieht bescheuert aus, ich weiß. Ich habe heute aber weder Lust, mich mit den seltsamen Anwandlungen von Blogger im Schriftbild noch mit dem ewig langsamen Hochladen von Bildern zu beschäftigen. Letzteres wird zumindest nachgeholt.)

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