Alltagsprobleme und Tag des Sieges

Ich komme mit meinen Berichten im Blog nicht voran. Ich bin zu viel unterwegs und der neue Computer hat zu viele mir noch unbekannte Macken, um problemlos und schnell zu arbeiten. Regelmäßig spricht er nicht mit dem Internet. Sicherheitsbedenken. Er sollte Bedenken haben, eines nahen Tages aus dem Fenster zu fliegen.
Hinterhof am Rustaveli

In Tbilisi habe ich auf diese Weise einige sehr dubiose Hinterhöfe kennengelernt, in die sich die letzten Internetcafés zurückgezogen haben. Die meisten gibt es aber nicht mehr, sie sind durch Druckservice (in Farben, auf Plastik, auf Stoff, auf was auch immer) ersetzt worden. Die von mir erlebte Ära der Internetcafés umfasst jene Zeit, als dort nur Kinder und junge Männer im Halbdunklen von Kellern Ballerspiele spielten, weil sowieso nur wenige Internet brauchten, über die Zeit der sauberen Ladengeschäfte, als man Bewerbungen für westliche Unis und Anträge an internationale Geberorganisationen fand. Heute im Zeitalter von Smartphones, Laptops und fast lückenloser WLan-Versorgung ist das alles nicht mehr nötig.
Orden auf dem Flohmarkt in Tbilisi
Heute ist aber kein Alltag, sondern Feiertag. Tag des Sieges. Bei aller Abkehr vom Russischen und Sowjetischen feiert man doch immer noch am 9. Mai den Sieg über Nazideutschland, dieses Jahr praktischer Weise auch für ein verlängertes Wochenende sorgt. Soweit ich weiß, hat nie ein deutscher Soldat georgischen Boden mit Waffe betreten, aber doch ist immer noch das Bewusstsein da, dass die Faschisten die Heimat überfallen haben. Der Zweite Weltkrieg als das wahrhaft Einigende der Sowjetunion. Ein Freund mault, man würde immer vergessen, dass die Amerikaner mit ihrer Technik die sowjetische Armee erst kampffähig gemacht hätten. Ich würde mir - gerade im Kaukasus - mehr Totengedenken und "nie wieder Krieg"-Rhetorik wünschen. Aber ich sollte wohl schon froh sein, dass ich heute keine nationalistischen Sprüche höre - zumindest bis jetzt nicht. Die Beschwörung des georgischen Heldentums im Nationalmuseum reicht. 

Im Übrigen haben Deutsche als Kriegsgefangene durchaus georgischen Boden betreten - die Eisenbahn, die Tunnel an der georgischen Heerstraße, Wohnbauten in Tbilisi - oft wird erwähnt, dass es deutsche Kriegsgefangene waren, die für die so gute Qualität verantwortlich seien. Dabei geht es nicht nur um Menschen, sondern auch um Material, das als Reparationen aus der DDR in die Sowjetunion gebracht wurde. Auch das inzwischen kaum noch existierende Metallkombinat in Rustavi, der Industriestadt nahe Tbilisi kommt ursprünglich aus Leipzig.

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