Wie Baku, nur entspannter

Das war meine erster Eindruck von Batumi, der sich in den folgenden Tagen auch verfestigte. Da war zum einen die Altstadt, also in die Stadt des späten 19. Jahrhunderts mit ihren Prachtbauten in einem Gemisch irgendwo zwischen Jugendstil, Klassizismus und Orientalismus. Eine Stadt, in der man gelassen  herumwandern kann, ohne ständig die Gefahr zu laufen überfahren zu werden (ja, auch auf den Bürgersteigen - das Verständnis von Bürger ist einfach nicht sehr weit ausgeprägt!) und es ist deutlich leiser. Doch unabhängig von der Kleinstadtatmosphäre ist klar: Batumi war reich. Der Reichtum kam aus der selben Quelle wie der von Baku, denn das Öl, das in Baku gefördert wurde, wurde hier und im etwas nördlich gelegenen Poti nach Europa verschifft. Die selben Familien, große Namen wie Nobel und Rothschild, die in Baku Öl förderten, unterhielten hier Erdölverarbeitung und Handel. Und bauten auch hier die entsprechenden Häuser. Vielleicht war der Baugrund dennoch billiger, den die ganze Stadtanlage erscheint großzügiger als in Baku. Auch geht man vorsichtiger mit ihr um. Zumindest bis jetzt haben auch kleinere Häuser aus der Zeit um 1900 eine Chance zu überleben und sogar renoviert zu werden, anstatt sofort dem nächsten Hochhaus, das zwischen die einzelnen renovierten Ensemble gestellt wird, weichen zu müssen.



Die Hafenanlagen und der riesige Güterbahnhof prägen immer noch die Stadt, was mich ehrlich gesagt verwundert: Ich hatte gedacht, dass im Zeitalter der Pipelines Tankzüge und -Schiffe der Vergangenheit angehören. Dumm natürlich, sehe ich doch jedes Mal in Istanbul die riesigen Tanker durch den Bosporus ziehen und eine Bekannte hat im Rahmen eines Kunstprojekts mal festgestellt, dass alle acht Minuten ein Schiff (vielleicht nicht alles Tanker) durch den Bosporus zieht. Irgendwo müssen sie ja herkommen. Allerdings können nicht alle aus Batumi kommen, denn so viele sind es dann doch nicht, die hier im Hafen liegen. Aber ich bin dennoch beeindruckt. Beeindruckt bin ich auch von den langen Tankzügen und der unendlich wirkenden Menge von Ölspeichern zwischen Bahnhof und Hafen. Heute sich sie in Sicherheit - nicht wie in den unruhigen Jahren am Anfang des 20 Jahrhunderts als Revolutionäre wie der junge Stalin dazu neigten, sie in Brand zu setzen.

Man erkennt es auf dem Bild nicht, aber das Schiff heißt Greifswald.
Heimathafen - Panama.

Fast direkt am Hafen beginnt der Boulevard (hier auch so geschrieben) am Meer, der mich wieder an Baku erinnert, auch wenn dieser Boulevard keine befestigte Uferpromenade ist, sondern am Strand mit dunklen Kieseln entlang führt. Aber sonst ist vieles ähnlich: Die Parkanlage, die Springbrunnen, die Cafés und Kioske, die Spielgeräte für Kinder (und Erwachsene). Allerdings merkt man hier, dass Batumi eben doch auch ein Seebad mit Saisonbetrieb ist: Vieles hat noch nicht offen und an vielen Stellen wird noch gebaut.

Palmen, aber das Wetter ist noch regnerisch (mit Hagel!)

Eine weitere Ähnlichkeit mit Bau ist hier aber auch nicht zu übersehen: Auch in Batumi wird im großen Stil gebaut. Noch nicht an jeder Ecke, aber doch entlang der Küste, aber dort gleich im besten "Dubai of the ..."-Stil. Manches sieht zumindest auf den Planungsplakaten genauso aus wie auf denen in Baku, beispielsweise ein riesiger Bogen mit an die fünfzig Stockwerken. Der Bauplatz ist noch nicht genau zu finden, aber die Apartments werden bereits verkauft. Wer also 950$ pro Quadratmeter übrig hat, kann sich die Investition in das Luftschloss ja schon mal überlegen.
Die Globalisierung hat das Ende der Welt erreicht.

Leider noch nicht bezugsfertig. Aber - ja, das ist ein goldenes
Riesenrad auf halber Höhe


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