Tarlabaşı mal wieder


Mein Beitrag vor etwa einem Jahr geschriebene Beitrag über Tarlabaşı gehört zu den meistgelesensten in diesem Blog - das heißt in Zahlen ja nicht viel, aber immerhin. Zeit für ein kleines Update von meinem Istanbulbesuch in den letzten Tagen. Ja, ich war da, trotz Warnungen und ehrlich gesagt auch einem eigenen etwas unsicherem Gefühl, ob ich m ich nicht doch unsicher fühlen würde. Aber wenn ich vor Istanbul Angst bekomme, stimmt etwas nicht und tatsächlich war die Unsicherheit schnell verschwunden und ich habe mich wie immer in der Stadt bewegt.
Nur das Teppichmuseum an der Hagia Sophia habe ich gestrichen (ok, wen will ich belügen? Ich hätte nicht mal Lust auf Teppiche, wenn es der sicherste Ort Istanbuls wäre...) Dafür empfehle ich allen die Ausstellung zu Stadt und Gerüchen in der Yapı Kredi Kültür Zentrum auf der Istiklal. Man merkt, dass da viel (vielleicht etwas zu viel) Geld vorhanden war, aber es lohnt sich auf jeden Fall - auch wenn man danach buchstäblich die Nase voll hat von den Düften von Linden über Weihrauch zu Autoabgasen.
Aber zurück nach Tarlabaşı. Der Stadtteil scheint noch voller geworden zu sein - kein Wunder angesichts der zunehmenden Gewalt im Südosten, vermutlich sind viele Familienangehörige der hier lebenden Kurden nach Istanbul geflohen. Gleichzeitig wird der Platz für billiges Wohnen immer weniger und die kleinen Boutiquehotels und die Appartmentvermietungen immer mehr. Sie scheinen sich Meter für Meter den steilen Berg herunterzuziehen und die Anwohner vor sich her zu drängen. Die Bauprojekte am Tarlabaşı-Bulvar scheinen langsam voranzugehen - allmählich denke ich, dass es schon ein Vorteil wäre, wenn sie wenigstens für die Istanbuler oberen Zehntausend wären und nicht nur für Touristen.


Auch an die neurenovierten Häuser kann man noch die Wäscheleinen mit der
frisch gewaschenen Wolle der Großstadtschafe hängen. Vermutlich zahlen
manche Touristen sogar für den letzten Rest des Dorfcharmes extra. 



Noch mal die Baustelle am Bulvard mit einem der letzten noch stehenden alten Häuser.

Vermutlich ist es nur meine Phantasie, dass es das selbe Haus ist, aus dem diese beiden
2012 noch die Erste Mai-Demo verfolgten. Aber mir gefällt der Gedanke.



Und das nun hier der Neubau.

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