Insel der Aphrodite

Wenn ich irgendetwas über Zypern wusste, dann, dass die Insel einer der ältesten, wichtigsten und mächtigsten Göttinnen der Griechen heilig war: Aphrodite.
Es gibt zwei Geschichten über die Geburt der Göttin der Liebe und der Schönheit. Nach der ersten, der jugendfreien, ist sie eine Tochter des Kronos. Nach der zweiten, der weniger jugendfreien, dafür aber bekannteren, entstand sie aus dem Penis des Uranos, des ältesten Gottes, den sein Sohn Kronos entmannte, um selbst die Herrschaft zu übernehmen. (Kronos wurde im Übrigen später von seinem Sohn Zeus zerstückelt. Die Phantasie der alten Griechen hat durchaus etwas  Beunruhigendes.)
An Land ging die neugeborene Göttin in Zypern. Das eigentliche Aphrodite-Heiligtum im antiken Paphos war zu schwer zu erreichen, also musste ich mich mit der römischen Stadt Paphos direkt am Hafen des neuen Paphos zufrieden geben (bisschen viel Paphos für meinen Geschmack, aber das passiert, wenn man über Jahrtausende an alten Ortsnamen festhält). Das neue Paphos liegt im griechischen Teil, ganz im Westen der Insel, etwas über zwei Stunden mit dem Bus von Nikosia entfernt. Wie es sich herausstellt, hat es eine unendlich lange Promenade am Meer, gesäumt von Cafés voller britischer Rentner, die leider auch das kulinarische Angebot bestimmen. Wie kann man bloß den wunderbaren Mittelmeerfisch in Panade einlegen und in die Friteuse schmeißen? Ganz scheint die Kolonialzeit hier noch nicht vorbei zu sein.
Aber zum essen bleibt bei einem Tagesausflug sowieso keine Zeit, denn heute interessieren mich erstmal andere Kolonialisten mehr: Die Römer, die für die heute ausgegrabenen Reste verantwortlich waren.




Ein fast unendlich wirkendes Grabungsgelände direkt am Meer, bei dem ich nur froh bin, dass es Winter ist - ich möchte mir nicht einmal vorstellen, wie man hier im Sommer gegrillt wird! 

Schon wieder eine römische Stadt im östlichen Mittelmeer, in der einige obere Hundert ihre Dekadenz so richtig ausgelebt haben. Das Ergebnis waren riesige, unübersichtliche Villen mit wunderschönen Mosaiken. Die Pax Romana, der römische Frieden, der entstand, nachdem die Römer jede Opposition niedergamcht hatten, war erfolgreicher als alle späteren Versuche von Kreuzrittern, Venezianern und Osmanen, denn offensichtlich konnte man seinen Reichtum zu dieser Zeit direkt und ohne meterhohe Mauern ans Meer setzen, ohne dass Piraten darüber herfielen. Das wurde dann auch entsprechend ausgenutzt. Manche Mosaike sind noch unter freiem Himmel, über andere hat man Dächer gebaut, die gleichzeitig den Vorteil haben, dass sie die alte Hausstruktur etwas besser nacvollziehbar machen (und den Nachteil, dass die Bilder von Mosaiken alle einen Rotstich von der Dachfarbe haben.)

Auch wenn das Bild in der Mitte schwer zu erkennen ist:
Es ist eindeutig Theseus, der im Labyrinth von Knossos den
Minotaurus tötet. 





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