Ich versuchs mal

Mit den gotischen Moscheen und römischen Mosaiken habe ich es mir erstmal einfach gemacht. Aber Zypern ist heute nun mal vor allem von den Konflikten des 20. Jahrhunderts geprägt und auch sie sollen hier ihren Platz finden - soweit ich sie verstehe. (Ich versuche den Post nicht zu kurz werden zu lassen und konsultiere nebenher Wikipedia...)

Galgen mit den originalen Schnüren und Bilder der Hingerichteten
Zwei Museen gibt es in Nikosia, die sich mit der neusten Geschichte beschäftigen, und doch erzählen beide nicht einfach nur zwei Seiten einer Geschichte. Das griechische Museum - neben dem riesigen Palast des Erzbischofs - beschäftigt sich kaum mit den Türken, sondern mit dem Widerstand gegen die gegen die Briten, die die Insel 1878 vom Osmanischen Reich übernommen hatten. In bester Teile-und-herrsche-Strategie bevorzugten die Briten die türkische Bevölkerung, die schon in Osmanischer Zeit besser gestellt war als die griechische (ok, das war nicht erstaunlich, die Bevorzugung durch die Briten schon eher.) Entsprechend träumten die Griechen von einem Anschluss ans Mutterland. Der Unabhängigkeitskampf in den 1960ern war brutal und so ist das Museum gleichzeitig auch Gedenkstätte für die von den Briten hingerichteten griechischen Freiheitskämpfer. Der Mann am Eingang, der offensichtlich Museumsinitiator, Direktor und Aufsicht in einem ist, spricht von den Toten als wären sie Verwandte - und möglicherweise waren sie das auch. Für mich ist es mal wieder eine Erinnerung daran, dass viele Menschen nun einmal bereits sind für ihren Glauben und ihr Land zu sterben - egal wie oft man versucht, dies nur als Verblendung und Irrweg hinzustellen

Die Monumentalstatue von Makarios III. in Nikosia 
ist inzwischen wieder abgebaut. 
Aber diese Zypresse in Paphos hat eindeutig sein Profil.
1960 war die Kolonialherrschaft dann beendet, der Erzbischof Zyperns, Makarios III., aber verhinderte den anschluss ans Mutterland, sondern kämpfte um Unabhängigkeit. Abgesehen davon, dass er offensichtlich eigene Pläne mit dem Land hatte, war das angesichts der Militärdiktatur in Griechenland damals wohl keine schlechte Entscheidung. Er versuche Zypern als neutral zwischen den Blöcken des Kalten Krieges durch zu manövrieren, was ihm wohl auch gelang (und möglicherweise erklärt, warum ich hier ständig Russen treffe, die auf verschlungenen Wegen in den 1960er Jahren hierher kamen.)
Dass Zypern britische Kolonie war, erklärt auch eine meiner wenigen Assoziationen zu Zypern, nämlich als der Ort, an dem unerwünschte jüdische Einwanderer interniert wurden, um die Kolonialherrschaft in Palästina nicht zu gefährden.Aber dazu gibt es (noch) kein Museum.
Ganz geklappt hat es mit der Unabhängigkeit übrigens bis heute nicht - noch immer sind 4% von britischen Militärbasen besetzt. Von den Hotelanlagen ganz zu schweigen.

Das türkische Museum - passenderweise in einer alten Bastion, die heute Kaserne ist, untergebracht ist - stellt dagegen den türkisch-griechischen Kampf in den Mittelpunkt, beginnt also ungefähr da, wo das andere aufhört. Die Ausstellungsräume sind toll, hoch und hell, die Ausstellung sieht aus, als habe man sie 1975 zusammengestellt und seitdem bestenfalls notdürftig abgestaubt. Immerhin sind die Beschriftungen größtenteils auch Englisch, aber ob sich viele Touristen in die Kaserne wagen, sei dahingestellt. Ich wurde allerdings von den reichlich gelangweilt wirkenden Soldaten total ignoriert.
Ok, das hell sieht man auf dem Bild nicht, aber ich habe 
auch nur schnell und heimlich fotografiert.

Nach der Unabhängigkeit verschärften sich die Konflikte zwischen Griechen und Türken auf Zypern und das Museum ist voll von Belegen über die Gräultaten der Griechen, mit denen schließlich die Besetzung des Nordens der Insel durch die türkischen Truppen 1974 gerechtfertigt wurde
Bis heute ist das Land völkerrechtlich nicht anerkannt
Gibt doch erstaunlich viele von dieser Sorte. Zumindest in meinem Leben.


 

Kommentare