Kiew zum Dritten


Im Tschernobyl-Museum darf man nicht fotografieren.
Aber das Logo vor der Tür ist immerhin etwas.


Neulich saß ich in einem Berliner Cafe und sprach mit einer Freundin über meine Ukraine-Pläne. Ein älterer Mann mischte sich vom Nebentisch aus ein, verteidigte Putins Ukrainepolitik und betonte die Gefährlichkeit von Ukrainern, schließlich hätten die schon bewiesen, dass sie Atomwaffen hätten. Aha? Klar, das wäre das Schlimme an unserer Generation, wir würden uns für nichts interessieren, was vor unserer Geburt gewesen sein, bestimmt hätten wir noch nie von Tschernobyl gehört. Statt geschmeichelt zu sein, mal eben zehn Jahre jünger geschätzt zu werden, versuchte ich dem Herrn zu erklären, das Tschernobyl meines Wissens nicht als Atomwaffe geplant gewesen sein. Unsinn, wurde mir beschieden, die Ukrainer hätten zeigen wollen, dass sie Russland besiegen könnten. 
Der Besuch im Tschernobyl-Museum in Kiew bestätigte allerdings meine Theorie, dass die Ukraine wenn eher Weißrussland und Ost-/Mitteleuropa angegriffen hat, tatsächlich aber zusammen mit Weißrussland wohl das größte Opfer war.
Etwas mehr englische Beschriftungen (und die russischsprachigen gerne etwas größer und hervorgehobener, sie gehen manchmal zwischen den Dokumenten unter) wären schön. Oder wenigstens die Reparatur des englischen Audioguides, der leider nicht zu bekommen war. Dann hätte das ganze mehr den Charakter eines Museums. Aber auch als Schrein / Gedenkstätte ist es durchaus einen Besuch wert.

Um Kiew nicht ganz deprimiert ausklingen zu lassen, hier ein paar Bilder:



In einem Park, der dem "Kleinen Prinzen" und seinem Autor gewidmet ist.
Ich hätte ja bei der Belegschaft eher auf Alice im Wunderland getippt.
Die mag ich auch lieber.



Bogen nicht nur der russisch-ukrainischen Freundschaft - nein, gleich der Wiedervereinigung
(zumindest laut Stadtplan). Ein paar Regenbogenfarben und ein paar Leute ohne Höhenangst und
das Ding könnte ganz gut aussehen.



Wie war das noch mal? Jede Stadt hat den Flohmarkt, den sie verdient?
Der von Kiew am Andreassteig ist auf jeden Fall einen Bummel wert.

Sie tragen ukrainische Trachten und spielen traditionelle Instrumente, singen aber Russisch.
Auch sonst höre ich mehr Russisch als Ukrainisch - und ja, ich kann das unterscheiden.
Bei dem einen fehlen mir ein paar Worte, bei dem anderen muss ich mich schon sehr konzentrieren,
um überhaupt was zu verstehen.

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