In Krieg und Frieden - Kiew-Impressionen


Nach drei Tagen einen Post "Kiew für Fortgeschrittene" zu schreiben, scheint mir dann doch zu gewagt. Deshalb einfach nur die Ergänzungen zum vorhergegangenen, "Kiew für Anfänger II" also: Eine der wichtigsten Stationen in Kiew ist vermutlich das Höhlenkloster. Wer mich kennt, grinst jetzt schon: Die Vorstellung, dass ich mich freiwillig in eine Höhle begebe, und sei sie auch noch so kulturhistorisch bedeutungsvoll, ist schlichtweg absurd. Zum Glück muss man nicht in die Höhlen, um die Klosteranlage hoch über dem Dnjepr genießen zu können. 


Im "Höhlenkloster" in Kiew - noch mehr goldene Kuppeln

Tor zur Klosteranlage. Mich erinnert das ganze ja an einen typisch russischen Kreml
(bin schon still)
Bei strahlendem (Spät-)Sommerwetter, schönen Kirchen, schattigen Parks und vielen Familien, die den Tag hier genossen, wäre es einfach perfekt gewesen - wenn da nicht die sehr vielen, sehr jungen Männer in Uniform gewesen wären, die ohne erkennbaren Vorgesetzten in Gruppen still durch die Kirchen zogen und vor den Ikonen beteten. Für mich sah keiner von ihnen alt genug aus, um auch nur Auto zu fahren oder Alkohol zu trinken und sie waren ganz bestimmt zu jung, zu töten und zu sterben (ok, dafür ist man immer zu jung.) Die meisten Menschen schienen die jungen Soldaten zu ignorieren. Eine Frau schenkte ihnen ein paar Kerzen zum Anzünden. Das ist dann wohl der Dank des Vaterlands. Man vergisst im sonnigen, entspannten Kiew so leicht, dass nur wenig weiter östlich Krieg ist.

Mutter Ukraine mit Schild und Schwert über den Bäumen
Dabei wird es nicht weit vom Höhlenkloster sowjetisch-national - und nein, das ist nicht unbedingt ein Widerspruch. Hoch ragt die Mutter Heimat über dem Fluss auf, und zum ersten Mal komme ich näher an eine der sowjetischen Landesmuttern ran. In Tbilisi und Yerevan habe ich das nie geschafft.
Zu Füßen der 102 Meter hohen Statue liegt das Museum des Zweiten Weltkriegs, das ich dann nach so viel Eindrücken doch nicht mehr schaffe. Dafür sehe ich mir noch die paar Panzer an, die mit dem Hinweis versehen "Diese Panzer gehören nicht zur Militärausstattung der Ukraine und wurden im Osten des Landes gefunden" als Beweis für den russischen Einmarch so wie als Kinderspielzeug dienen. Die jungen Soldaten stehen etwas weiter an einer Imbissbude und halten sich schweigend an ihrer Cola fest.


Spielende Kinder auf einem der russischen Panzer

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