Werbung mit Verlusten

Jetzt habe ich tatsächlich gestern den Jahrestag von Khojaly verpasst. Am 25.2.1992 wurden aserbaidschanische Zivilisten in dem Dorf Khojaly in Berg-Karabach Opfer einer armenischen Militäroperation. Viele wurden schwer verletzt, das Schicksal anderer ist bis heute nicht geklärt. Viel genauer lässt es sich wohl nicht sagen, denn wie so oft in Kriegssituationen wird man die Wahrheit, wer wann warum geschossen hat, wohl nie klären können. 


Khojaly-Gedenkplakat in der New Yorker U-Bahn 2014.

Sicher und spannend ist, dass die aserbaidschanische Regierung offensichtlich weltweit Kampagnen macht, um die Ereignisse in Khojaly als Genozid zu deklarieren und das Vorgehen der armenischen Armee zu brandmarken. Dazu gehören Genozid-Denkmäler nicht nur in ganz Aserbaidschan sondern auch in Städten wie Berlin oder Budapest oder Plakate in der U-Bahn in New York und Washington. Diese erwähnen allerdings den Begriff "Genozid" nicht, worin allerdings die angeblich friedensstiftende Maßnahme liegen soll, bleibt auch verborgen. Nicht, dass ich es falsch finde, an die (zivilen) Opfer von Kriegshandlungen zu erinnern. Aber genau bei dem Begriff "zivil" und "Genozid" in dem Kontext werde ich immer etwas hellhörig.
"Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache" sagte ein aserbaidschanischer Beamter mal zu mir. Eben. Und 444 Männer, 106 Frauen und 63 Kinder sind nicht die demographische Durchschnittsverteilung eines kaukasischen Dorfes - auch wenn manchmal angesichts der wenigen Frauen auf den Straßen so aussehen mag. Wenn mehr als vier Mal so viel Männer wie Frauen getötet werden, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um ziemlich viel gefallene Soldaten handelt, die in einem angeblich zivilen Ort recht wenig zu suchen hatten. 
Die Opfer von Khojaly haben jede Ehrung, jedes Gedenken im Sinne eines "Nie wieder Krieg" verdient. So erscheinen sie immer noch Kanonenfutter in einem bizarren Wettrüsten um die meisten Toten zu sein.

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