Unnötige Forschungen

Da hatte ich in Baku so viel vor, und dann streckt mich eine blöde vereiterte Wunde nieder. Seufz! Ich weiß, dass ich vermutlich sehr glücklich sein kann, dass ich in so vielen Jahren unterwegs noch nie eigene Feldforschung in post-sowjetischen Gesundheitssystemen machen musste, aber von mir aus hätte das auch gerne so bleiben können. 
Auf Empfehlung einer Freundin war ich erstmal in der SOS Clinic in Baku. Zwar schon vorgewarnt, dass es mich 100-200 Euro kosten würde, aber vielleicht hätte ja meine Reisekrankenversicherung Erbarmen gehabt. Nur leider war der Preis nur für die, die über ihre Firma bereits eine Mitgliedkarte hatten. Die kostet schlappe 680,-  tja, was eigentlich? Die Dame am Empfang kam selbst durcheinander, ob es nun Pfund oder Dollar wären. Macht tatsächlich einen gewaltigen Unterschied, in den Dimensionen für mich allerdings auch nicht mehr so richtig, vor allem weil der Arztbesuch und die Medikamente ja noch dazu kommen würden. Ich beschloss, das allenfalls bei einer beginnenden Blutvergiftung auszugeben und so schlimm war es dann doch noch nicht. Dass mich in der Einfahrt der Klinik ein riesiger Jeep fast überfuhr und der Fahrer dann noch einen Schlenker durch die nächste Pfütze machte, um unter dem Johlen der Krankenschwestern vor der Tür dafür zu sorgen, dass ich auch wirklich klatschnass war, hat meine Laune auch nicht gehoben. (Weitere Recherchen ergaben übrigens, dass es noch eine Klinik mit billigeren Eintrittspreisen gibt: Da zahlt man nur 250.- Euro im Jahr, die einzelnen Behandlungen sollen aber auch teurer sein.)
Ein empfohlener Hautarzt guckt sich die Sache an, hört sich an, dass ich eine Antibiotika-Allergie habe, lässt sich das Mittel aufschreiben, dass ich auf gar keinen Fall zur Bekämpfung von Entzündungen nehmen darf und verschreibt es mir. Ich habe es natürlich erst nach dem Kauf gemerkt, aber was solls, haben meine Freunde hier jetzt eben ein gutes Breitband-Antibiotikum mit hohem Allergiepotential. Kostenpunkt: 8 Euro für das Medikament, der Arzt arbeitet in einer Klinik und hat nach eigenen Angaben ein Monatsgehalt. (Von vermutlich 200,- Euro, aber ich habe immerhin angeboten, ihn zu bezahlen.)
Also dahin, wo der Durchschnittsaserbaidschaner mit seinen 200,- Euro Monatsgehalt hingeht: die Poliklinik an der Ecke. Eine Krankenschwester spritzte etwas, was sicher kein Antibiotikum sein sollte, empfahl einen Verband aus Kohlblätter, verbesserte sich dann, dass Kohl ja gerade keine Saison hätte, und verkaufte mir eine Salbe, die nach ihrer Angabe auch billiger als Kohl sei. Stimmt vermutlich sogar. Für Spritze, Salbe und Behandlung habe ich vier Euro gezahlt. Obst und Gemüse sind hier dagegen echt teuer. (Die Krankenschwester hat übrigens sicher auch ein Monatsgehalt, aber dass sie das aufbessern muss, weiß hier jeder. Vermutlich um Kohl zu kaufen.)
So - jetzt hoffe ich bald mal wieder zu ergiebigeren Forschungen aufbrechen zu können.

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