Personenkult

 
Zum Blumenfest zum Geburtstag von Heydar Aliyev
vor dem Heydar Aliyev Saray
(Bild schon vom Mai 2012)
Als ich vor vier Jahren (wirklich erst vor vier Jahren?!) das erste Mal nach Baku kam, fand ich ehrlich gesagt die Aufregung mancher Ausländer über der unmöglichen Personenkult um den verstorbenen Präsidenten Heydar Aliyev etwas lächerlich. Ja, es gab einen Heydar Aliyev-Palast, in dem ab und zu mal ein Konzert stattfand und vor dem auch eine Statue von ihm stand, der Flughafen hieß nach ihm und - wie mir versichert wurde - auch jede zweite Schule oder Fabrik. Jemand, der den Personenkult um die Assads in Syrien, um Atatürk in der Türkei oder um Saddam im Irak kannte (nein, ich möchte die drei sonst nicht vergleichen!), konnte darüber nur müde lächeln. 
Ganz so komisch finde ich das jetzt nicht mehr. Auch mir fangen die Heydar- und Ilham-Aliyev-was-auch-immer an, auf die Nerven zu gehen. Vielleicht nur, weil ich den Vorderen Orient entwöhnt bin und Atatürk längst nicht mehr in jeder türkischen Teestube hängt, vielleicht nimmt es aber auch wirklich in nervtötender Weise zu.
Heydar Aliyev-Parks und -Museen, Straßen und Plätze, Bilder mitten in der Landschaft und in den Wohnungen und der Sohn zieht nach: Im Olympia-Komplex von Göygöl grinste er zum Empfang ebenso wie im Gouverneursamt, jede Poliklinik, jedes Museum, das ich in Baku besucht habe, scheint er eröffnet zu haben und dabei in allen möglichen Posen fotografiert worden zu sein. Vielleicht bin ich auch so empfindlich, weil ich tagelang Geschirr und Nippes ausgepackt habe, um es zu inventarisieren und von jeder, buchstäblich von jeder Seite sah mir Ilham Aliyev entgegen. Da kann man ja nur Verfolgungswahn entwickeln. Und ich fürchte, das ist der Sinn der Übung.

Ohne den Herrn da auf dem Hügel wäre die Landschaft noch
ein bisschen hübscher


Und wer thront da über dem Bücherregal?




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