Fotografieren in Baku

Mein Lieblingsthema. Es mag erstaunen, denn schließlich ist mein Blog voller Bilder aus Baku, aber dennoch: Fotografieren ist ein Alptraum in Baku. Öffentliche Gebäude dürfen grundsätzlich nicht fotografiert werden. Dazu gehören auch ausländische Botschaften, was Fotografieren in der Altstadt besonders lustig macht, wo in manchen Straßen jedes fünfte Haus eine Botschaft ist und zufällige Schnappschüsse am falschen Ort schon zu langen Debatten mit Wachleuten führen konnten. "Das ist schließlich überall auf der Welt so!" ist die Dauerantwort. Achso - klar. Deshalb stehen im Massen von Touristen im Berliner Regierungsviertel und fotografieren alles, was ihnen vor die Linse kommt. 
Vielleicht hat sich die Situation etwas entspannt, ich würde es für den Tourismusstandort Baku wünschen, habe aber wenig Optimismus. Ich selbst probiere nichts mehr, seit mir vor einigen Jahren vor der iranischen Botschaft klar gemacht wurde, dass "vor der Botschaft darf man nicht fotografieren" auch heißen kann, dass man nicht mit dem Rücken zur Botschaft stehen und das gegenüberliegende Haus fotografieren darf...
Stein des Anstoßes I: Es soll ein Gesetz geben, das ausdrücklich
das Fotografieren stalinistischer Hofeingänge verbietet.
Aber eigentlich wissen kultivierte Menschen das auch so.
Es sind nicht nur die offiziellen Verbote, die das fotografieren so schwer machen: Ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft ich beim Fotografieren auf der Straße von Passanten (vor allem von Passantinnen) beschimpft wurde, hier in diesem Viertel, in dieser Straße, an dieser Ecke, sei es gesetzlich verboten zu fotografieren und sie würden die Polizei holen, wenn ich nicht aufhören würde. Auf die Frage, warum es verboten sei und wo dieses Verbot stünde, erhielt ich immer Varianten der selben Antwort: es sei eben verboten und jede kultivierte Person aus Baku wisse das. Ach so. Man kann das ganze also auch einfach Reviermarkierung nennen: Meine Gegend, meine Regeln, du fremd. Da sind die Bakuer ja sowieso gut drin.
Lieblingsmotiv junger Männer am Fountain Square:
Meine neue Bronzefreundin und ich.
Gleichzeitig scheint es die Lieblingsbeschäftigung von Aserbaidschanern jeden Alters (vor allem aber junger Leute) zu sein, sich ständig in allen möglichen Posen selbst und gegenseitig zu fotografieren. Nur eben offensichtlich nur sich selbst und nicht die Umgebung und vor allem nicht mit etwas, das dem klassischen Bild des Fotoapparats entspricht, sondern mit ihren Handys. 
Diese Mal erregte ich Anstoß, als ich in der neuen "28. mai"-Mall am Bahnhof die dort in der Mitte des Food Court eingemeißelte Nationalhymne fotografierte. Um mich herum fotografierte alles sein Essen, seine Einkäufe, sich selbst und seinen Gegenüber - aber der Wachdienst teile mir mit, das Fotografieren der Nationalhymne sein verboten. Unten stünde das auch ausdrücklich. Unten stand was von Fahrradfahren verboten, Skatebord und Hunden, aber nichts vom Fotografieren. darauf aufmerksam gemacht erklärte der Wachdienst genervt: "Das muss man ja auch nicht hinschreiben. Kultivierte Menschen wissen das auch so." (Aber sie fahren mit Fahrrädern durch die Mall?!) Ich gebs auf. Bis zum nächsten Mal.
Ein Stein des Anstoßes II: Das Fotografieren der 
Nationalhymne in der 28. Mai-Mall
PS: Alle, denen ich davon erzählte, und die die Mall gut kannten, reagierten auf meine Geschichte gleich: Nationalhymne? Welche Nationalhymne denn? Hier der (schlechte) Bildbeweis. Bevor ich näher an der Einstellung arbeiten konnte, war der Wachdienst da.

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