Es ist offen!

Über vier Jahre hat es gedauert, die Flame Towers, die Crystal Hall und andere Hochhäuser sind fertiggestellt worden, ganze Straßenzüge verschwunden und Parkanlagen entstanden - nur das von mir mit Spannung erwartete Teppichmuseum blieb eine Bauruine. So war es eher eine rhetorische Frage, als ich an meinem ersten Tag in Baku fragte, ob es denn nun offen wäre. Und siehe da - es war nicht nur offen, sondern auch noch Lange Nacht der Museen und um zehn Uhr betraten wir ein überfülltes und von mehreren DJs bespieltes Museum.
Der erste Eindruck, der sich auch immer mehr verstärkte: Das Warten hat sich gelohnt. Die Einrichtung des Baus, der an einen halbaufgerollten Teppich erinnern soll (und das mit etwas Phantasie auch tut) ist wirklich gelungen. Das Problem, dass manche Teppiche so groß sind, dass man von einer der drei Etagen nur einen Teil von ihnen sehen kann, was gerade am Anfang stört, aber das Problem hat man ja leicht - hohe Räume, bei denen man dann die obere Bordüre gar nicht mehr erkennt sind ja auch nicht unbedingt ideal. 
Die Idee, typische Musterelemente der Teppiche in deutlicher Vergrößerung an die Wand zwischen den Teppichen zu projizieren, fand ich ausgesprochen gelungen: So hatte man sie immer vor Augen und konnte sie in den Teppichen wieder erkennen (auch wenn leider gerade in den Teppichen, die um das projizierte Muster herum hängen, oft genau das Muster fehlt. Da haben wohl die Designer ihren Willen durchgesetzt.)

Ja, das Problem, dass der Teppich hinter der
Absperrung, die den Sturz ins untere
Stockwerk verhindern soll, verschwindet, ist nicht nur
fürs Foto doof.
Was mich aber am meisten freut: Der sowjetische Teppich wird nicht vergessen. Ok, er ist ganz oben, wo sich nicht mehr viele hin verirren werden, aber er ist da. Ebenso wie der zeitgenössische, der zwar nicht ganz so mein Ding ist, aber mit einem netten Wimmelbild, in dem alles Schritte der Teppichherstellung vom Schaf zum Museum bzw Wohnzimmer dargestellt sind, doch auch ganz nett. Immerhin kein Haydar-Aliev-Porträt-Teppich. Überhaupt war das ganze erfrischend wenig nationalistisch, von der Lobhudelei auf die Präsidentengattin, die den aserbaidschanischen Teppich zum UNESCO-Weltkulturerbe gemacht hat, mal abgesehen. Nach dem armenischen Nationalmuseum, das jeden Teppich mit Kreuzmotiv, der irgendwo östlich von Istanbul entstanden ist, zum armenischen Teppich erklärt, war das eine sehr angenehme Überraschung. Konzipiert hat das ganze wohl ein Österreicher - endlich mal wieder ein Berufsbild, bei dem ich mir denke: Das will ich auch machen!

Und ganz zum Schluss, weil es nicht nur Teppiche gab: Ist sie's oder ist sie's nicht? Unsere Poster-Dolca von vor sechs Jahren? Mein erster Zugang in dieses Land? Ich will es einfach mal glauben und gucke es zu hause gleich mal nach.







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