Stadt und Meer

Mit sowas will man dann doch nicht so gerne zusammenstoßen -
Frachter und Öffentlicher Nahverkehr auf dem Bosporus
Istanbul mag katastrophal sein, was das Verhältnis von Grünflächen zu Einwohnerzahl angeht, aber in Sachen Wasserfläche pro Einwohner dürfte die Stadt gut da stehen: Bosporus, Goldenes Horn und das Marmarameer, das Schwarze Meer immerhin in nächster Nähe - kein Wunder, dass Bootfahren zwischen europäischer und asiatischer Seite für mich zum Schönsten gehört, was die Stadt zu bieten hat. Und lange Zeit war es auch mein Alltag (ach ja, die Zeiten damals in Üsküdar...) - immerhin war ich damals weitgehend ohne Stauprobleme in Sprachschule oder Uni, nur das plötzliche Abbremsen und auf den Wellen dümpeln, wenn ein riesiger russischer Frachter vorbeizog, konnte die Fahrt verzögern. Besonders im Winternebel wurde dann auch immer wieder klar, dass ein Frachter- (oder noch schlimmer: Tanker-) Unglück im engen Bosporus für die Stadt eine Katastrophe wäre. Die Lösung ist nun eines der unglaublichsten Großprojekte der Regierung: Ein Kanalbau vom Marmarameer zum Schwarzen Meer. Ökologisch ein kompletter Wahnsinn, der die Grünflächen noch weiter zugunsten der Wasserflächen verringern wird, aber die langen Wartezeiten für die Durchfahrt durch den Bosporus verringern soll. (ich habe was von 17 Stunden Wartezeit gehört. Angesichts der vielen Frachter, die im Marmarameer auf die Einfahrt warten, scheint es mir gar nicht so schlimm zu sein, aber für die Reedereien ist es vermutlich ein sehr teurer Spaß.)

Bootshalle mit Prachtbooten
Bei so enger Verbindung von Stadt und Meer war ich besonders auf das neu gestaltete Meermuseum gespannt. Leider war es eine leichte Enttäuschung, trotz wunderbar heller, offener Räume für die vielen Boote (alle bauen moderne Museen, nur Berlin bekommt ein Barockschloss - ich weiß, das ist eine running Klage, aber es ärgert mich jedes Mal von neuem!). Aber inhaltlich gab das Museum nicht viel her: Die Konzentration lag auf den Prachtbooten der Sultane, die irgendwann doch ziemlich gleich aussahen, und auf einzelne Seeschlachten, bei denen nur die über die Eroberung Konstantinopels vom Wasser aus kurz mein Interesse wecken konnte. Dass das Osmanische Reich auch eine bemerkenswerte Handelsflotte gehabt haben muss, wird völlig ignoriert, ebenso wie das Leben der Bootsbauer, Ruderer, Fischer. Schade. Die Tochter meiner Freundin hatte noch einen weiteren Minuspunkt: Kein Boot zum drauf rumklettern. Stimmt, ein betretbares Boot wäre bei einem Museum, das mit einem extra Spielraum um Kinder wirbt, schon eine gute Idee gewesen.

Zum Schluss noch ein Bild von unserem Badeausflug ans Schwarze Meer. Zum ersten Mal sehe ich in der Türkei so verhüllt badende Frauen. Offensichtlich hatten sie Spaß, aber ich war doch erschrocken. Gerade in den Teilen Istanbuls, in denen ich normalerweise bin, steigt das Kopftuchaufkommen nicht mal besonders deutlich - und dann dieser Anblick.


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