Dunkler Regenbogen

Letzte Woche erhängte sich in Baku ein junger Mann, Leiter der ersten (und bislang einzigen) Organisation für Schwule, Lesben und Transsexuelle in Aserbaidschan, mit einer Regenbogenfahne.
Einige Erkenntnisse aus meinem Facebook-Account, der immer mal wieder gut ist, um Diskussionen zwischen verschiedenen Mitgliedern der aserbaidschanischen Zivilgesellschaft im Land und außerhalb zu verfolgen: Offensichtlich interessiert sich keiner der ausländischen Menschenrechtsaktivisten und kaum einer von der im Land befindlichen Zivilgesellschaft für den Fall. (Vielleicht sind sie zu beschäftigt mit der Ukraine, aber ganz glaube ich das nicht - dazu kenne ich einige von ihnen und ihre Meinung über Homosexuelle dann doch zu gut.) 
Die wenigen Kommentare sind wenig erfreulich: Manche verstehen nicht, wie eine private Depression ein Thema für eine Nachricht sein kann. Andere sehen den Selbstmord als Beweis dafür, dass Homosexuelle eben psychisch krank sind. Ein im Ausland lebender Aserbaidschaner und sehr aktiver Oppositioneller funktioniert den Fall zu einem Beweis der aserbaidschanischen Toleranz um: Schließlich hätte niemand die trauernden Schwulen und Lesben am Grab angegriffen, was ein Beweis wäre, dass es in Aserbaidschan keine körperliche Gewalt gegen Homosexuelle gäbe und außerdem wäre es bemerkenswert, dass eine Regenbogenfahne auf das Grab hätte gelegt werden können, ohne dass der anwesende Imam eingeschritten wäre. Das wäre ein Symbol, dass Aserbaidschaner toleranter wären als alle anderen muslimischen und viele christliche Länder. Ok, Schwule werden nicht gesteinigt und wenn sie Selbstmord begehen, bekommen sie sogar ein angemessenes Begräbnis. Das sind doch positive Aussichten. Nur mit dem Leben wird es noch schwierig aus - aber zu anspruchsvoll sollten diese nicht-traditionellen Minderheiten dann doch nicht werden. 

Kommentare