Kaukasischer Wein


Wein spielt eine große Rolle im Südkaukasus. Nein - das ist keine persönliche Aussage, das ist einfach so. Gerade jetzt fährt man in Westaserbaidschan, in Georgien und in Armenien stundenlang durch Weinberge, während am Straßenrand die verschiedensten Traubensorten verkauft werden - eine Verkostung lohnt sich schon bei den Trauben, von denen alle anders schmecken. Das ist man als Mitteleuropäer mit den paar Traubensorten im Supermarkt ja schon nicht mehr gewohnt. Schon die Mythen, die sich um die Herkunft des Weins in den drei Staaten ranken, verdienen Beachtung: In Armenien war es niemand geringerer als Noah, der den Ararat (auf dem er gerade mit der Arche gelandet war) herunterstieg und als erstes Grundnahrungsmittel Wein pflanzte. In Georgien war es angeblich die heilige Nino, die zusätzlich zum Christentum auch noch den Wein einführte (hat vermutlich bei der Missionierung erheblich geholfen.)
Hier kelterten die Schwaben: Weinfabrik in Göygöl / Helenendorf

 In Aserbaidschan dauerte das ganze noch ein paar Jahrhunderte, hier mussten erst die Schwaben im 19. Jahrhundert die Weinproduktion einführen oder zumindest deutlich verbessern. Dafür behaupten sie jetzt auch, ihr Wein sei der zweitbeste der ehemaligen Sowjetunion gewesen - nach dem georgischen, armenischen oder moldawischen, abhängig vom Geschmack und der political correctness  des Sprechers. Man kann aus dieser Aussage schließen, dass der Wein echt nicht überzeugend ist, denn sonst ist ja immer alles sowieso das allerbeste und wenn Aserbaidschan freiwillig sich nur auf den zweiten Platz begibt, stimmt schon was nicht (und tatsächlich gibt es sowohl in Armenien als auch in Aserbaidschan Weinsorten, bei denen ich mich frage, wie man armen unschuldigen Trauben so was antun kann! )
Ob der sich nun in Europa so besonders gut verkauft? 
Tatsächlich ist der einheimische Wein in allen drei Ländern gewöhnungsbedürftig - unvergesslich der Kollege, der vorsichtig an einem Glas Hauswein in einem georgischen Restaurant nippte und fragte: "Schmeckt nicht schlecht - wie heißt das Getränk?" Das wird auch der Grund sein, warum immer mehr Weinflaschen in Georgien Aufschriften wie "European wine" oder ähnliches tragen. Seit Russland 2006 ein Embargo auf georgischen Wein verhängte und damit der Hauptabsatzmarkt schlagartig wegbrach, muss sich Georgien auf einen neuen Markt einstellen - und zwar auf einen, in dem das Label "Georgischer Wein" nicht schon aus purer Nostalgie reicht, um gekauft zu werden. Offensichtlich werden sie langsam erfolgreich, aber dennoch sind die Hoffnungen groß, dass auch bald wieder ein Export nach Russland möglich sein wird. Der neue georgische Präsident soll es möglich machen.
Offensichtlich ist es mir unmöglich, auch nur einen kleinen Blogbeitrag zu schreiben, ohne ins politische abzurutschen. Bin ich das, oder ist es die Region?

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