Liebes Tourismusministerium III

Liebes Tourismusministerium,

ich habe mich länger nicht bei Ihnen gemeldet, aber heute muss ich Ihnen meine uneingeschränkten Glückwünsche ausdrücken: Sie haben es geschafft! Aserbaidschan ist ein weltweit beliebter Tourismusmagnet! Der Anturm ist offensichtlich so stark, dass die aserbaidschanische Botschaft in Deutschland dem ungeheuren Andrang auf Touristenvisa nicht mehr gewachsen ist und deshalb Touristenvisa nur noch über Reiseagenturen in Aserbaidschan beantragt werden können. So kleine Touristenziele wie Indien, Australien oder Russland können das vielleicht noch bewältigen, aber angesichts der Beliebtheit Aserbaidschans wird es wirklich zu viel. (Ich weiß ja, dass es nicht daran liegen kann, dass Aserbaidschan an der Besetzung seiner Botschaften sparen muss - schließlich handelt es sich um ein reiches Land, das darüber hinaus auch noch bekannt für seine großzügige Schaffung von Stellen für die richtigen Leute und ihre Kinder ist. Da sind Kürzungen an einem so attraktiven Standort wie Deutschland wohl nicht denkbar.)
Sie wissen ja, dass ich auch immer ein paar kleinere Verbesserungsvorschläge habe. Diesmal bitte ich, den Zwang zu einer Hotelbuchung (und Bezahlung) für die gesamte Reisezeit im Voraus noch einmal zu überdenken: Wir wissen, dass Aserbaidschan ein wundervolles, facettenreiches Land ist, dass Touristen auch gerne in seiner ganzen Bandbreite erleben wollen. Westliche Touristen haben außerdem - ich glaube ich schrieb es Ihnen schon mal - eine große Leidenschaft, sich auch ungebunden durch ein Land bewegen zu können. Und geben Sie es zu: ist es nicht wirklich verlockend, spontan einen Tag länger in Lenkoran sitzen und aufs Meer gucken zu können, wenn man nun schon einmal Urlaub hat? Einen Tag länger durch die wundervolle Bergwelt um Lahic wandern zu können? Oder einfach doch in Baku zu bleiben und die Großstadt zu genießen, obwohl man eigentlich noch Ganca wollte? Auch wenn Sie es nicht verstehen können: Viele Touristen würden es zu schätzen wissen. Aber Sie haben ja schon genug. Ich verstehe.
Der Reichtum Aserbaidschans hat sich offensichtlich auch so weit herumgesprochen, dass Sie mit massiven Flüchtlingsströmen vor allem aus Westeuropa konfrontiert sind. Das tut mir ehrlich Leid, aber Sie haben ja schnell und effizient Abhilfe geschaffen: Die Forderung nach einem festen Arbeitsvertrag und einer Gehaltsbescheinigung um ein Visum zu erhalten sind eine ausgesprochen vernünftige Reaktion auf dieses Problem. Wenn es nicht hilft, können Sie ja immer noch (wie die EU oder die USA) den Nachweis fordern, dass man Grundeigentum und Kinder im Herkunftsland als Pfand zurücklässt. Aber dann müssten Sie auch auf mich und meine hilfreichen Hinweise künftig ganz verzichten. Wäre doch schade, oder? Schließlich haben wir uns doch gerne, oder?

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