Palmsonntag

Statt ernsthaft zu arbeiten, habe ich mich das Wochenende erstmal mit Besuch aus Baku amuesiert. Schoen, dass zumindest einige der dortigen Freunde Nowruz-Ferien und zwei Reisepaesse haben, dass die Fahrt ins feindliche Nachbarland moeglich wurde. Also habe ich erstmal die Gelegenheit ergriffen, Wanderungen zu unternehmen, die ich alleine doch nicht machen wuerde - was auch ganz gut war, denn man ist oberhalb von Yerevan trotz fruehlingshafter Temperaturen doch noch sehr schnell jenseits der Schneegrenze und entsprechyend rutschig.
Eine Erkenntnis habe ich aber schon mal: Die armenische Kirche feiert Weihnachten zwar am 6. Januar, Ostern aber zeitgleich mit den nicht-orthodoxen Kirchen. Die ganze Rechnung scheint übrigens komplizierter zu sein als ich immer dachte – erster Sonntag nach Vollmond nach Frühlingsanfang ist ja eigentlich nicht so schwierig, aber das, was ich jetzt bei flüchtigen Internetrecherchen gefunden habe, lässt Hijra-Daten-Rechnung einfach aussehen - wie fuer mich die Einarbeitung in das christliche Armenien und seine Kirche wohl auf der ganzen Linie noch eine Weile dauern wird.
Ja - es war so kalt und grau wie es aussieht...


Demnach war gestern Palmsonntag und eher zufällig landeten wir auf einer Wanderung im Kloster Geghard bei Jerevan, wo wir uns mitten im religiösen Leben wiederfanden. Kirchenräume und anliegende Höhlen waren voller Menschen mit Bündeln von Weidenkätzchen Kränzen aus Weidenruten, die Kerzen anzündeten und in Höhle heiliges Wasser in große Flaschen abfüllten. Obwohl unendlich viele Kerzen brannten, war es dunkel, denn die Waende der Kirche und der Hoehlen waren offensichtlich von sehr vielen Krezen in sehr langen Jahrhunderten voellig schwarz gefaerbt. Ich versuche mich an das Kloster von 1999 zu erinnern, als die meisten Kloester in Armenien noch leer und halbzerstoert waren - war Geghard damals schon eine Ausnahme, wurde es wiederbelebt oder war es purer Zufall, dass wir diesmal an einem so entscheidenden Feiertag da waren, dass so viele Menschen aller Altersgruppen da waren, dass es Staende mit Essen und Musiker gab? Vermutlich von allen Gruenden etwas. Eins ist auf jeden Fall sicher: Der oeffentliche Nahverkehr hat sich nicht verbessert. Im Gegenteil: immer mehr und immer teurere Autos machen die alten Minibusse eher ueberfluessig (ok, bis dahin ist es sicher noch ein langer Weg) und je groesser das Auto, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass der Fahrer zwei durchfrorene Anhalterinnen mitnimmt. Meine Ausflusgsmoeglichkeiten sind vermutlich recht eingeschgraenkt. Aber ich soll mich ja auch auf die Stadt konzentrieren. 

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