Bubbles and Democracy



Superbubbles
In den letzten Tagen wünsche ich mir manchmal das alte, langweilige Baku zurück, wo entweder nie etwas passierte oder wenn doch, ich erst später davon erfuhr. Im Moment habe ich das Gefühl, nur noch durch die Gegend zu hetzen. Treffen mit Freunden hier, Interview dort, ständig neue Bilder überall. Heute noch ein Flaschmob am Bulvar (ja, das schreibt man hier so!), bei dem als „Soap Bubbles Festival“ Seifenblasen geblasen werden sollten. In den letzten Jahren haben schon viele Flaschmobs in Baku stattgefunden, meistens musste man allerdings singen oder tanzen, so dass ich diesmal froh war, einfach nur bunte Blasen in die Luft steigen lassen zu müssen. Das schaffe ich gerade noch.


„Flash“ war bei dem Mob nun ein wenig untertrieben, insgesamt dauerte er vor dem Qiz Qalasi über eine halbe Stunde, bewegte sich dann weiter den Bulvar runter, bevor ich ihn nach fast anderthalb Stunden verließ. Zu viel Sonne für mich, aber viele andere von den bestimmt über hundert Teilnehmern bliesen weiter unermüdlich Seifenblasen. Von den umstehenden kam eher Kritik in dem Stil von „Die haben wohl nicht anderes zu tun“, „Verrückte Faulenzer“ – etwas was am Sonntag nachmittag am Bulvar, wo niemand irgendetwas zu tun hat, ein völlig absurder Vorwurf ist. Oder sollte bummeln ohne dabei Seifenblasen zu machen, Arbeit sein? Oder waren das alles Zivilpolizisten, die sich als Arbeit gegenseitig überwachten?? Interessante Idee…
Aber auch wer nur kleine Seifenblasen macht, hat großen Spaß.
Hier sind auch junge Frauen zahlenmäßig fast gleichberechtigt
vertreten.

Die Bulvar Security (eine der drei für den Erhalt der
öffentlichen Ordnung am Bulvar zuständigen Organisationen)
war skeptisch, ließ die Flashmobber aber gewähren)
Abends dann „Sing for Democracy“ die großartig angekündigte Gegenveranstaltung zum Eurovision Songcontest. Ein normaler Bakuer Club, in dem für diesen Abend eine „Privatparty“ angekündigt war. Viel Bier, viel Zigarettenrauch, die üblichen Bands – mit ein paar Unterschieden: der Eintritt war frei, das Essen auch und der Altersdurchschnitt  ca. zwanzig Jahre über dem normalen Mittel aus gerade mal 20jährigen, die sonst zu solchen Veranstaltungen gehen. Zum ersten Mal hob ich nicht den Schnitt. Auch mal schön. Ansonsten hätte man das Ganze auch als Pressekonferenz für deutsche Journalisten machen können, aber so ist es natürlich viel cooler.
Ganz ehrlich: Wenn die, die da auftraten, so  Demokratie machen wollen wie sie jetzt Musik machen, dann kann ich verstehen, dass viele hier lieber bei der jetzigen Regierung bleiben wollen – ganz zu schweigen davon, wie manche der großen Revolutionäre Frauen behandeln. Zum Schluss wenigstens eine Band mit einer Sängerin, die auch von den Zuhörern (auch hier wenige Frauen) gefeiert wurde. Immerhin. Im Übrigen halfen auch die anwesenden deutschen Journalisten nicht, die Frauenquote zu erhöhen.

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