Liebes Tourismusministerium (Teil III)

Liebes Tourismusministerium der Republik Aserbaidschan,
zuerst einmal möchte ich Ihnen mein Beileid ausdrücken: Es muss wirklich sehr ärgerlich sein, wenn man sich soviel Mühe gibt, anderen Menschen von der Attraktivität des eigenen Land zu überzeugen, sogar ein Großereignis wie den Eurovision Song Contest ins Land holt – und dann beachtet niemand Ihre wunderschönen Berge, die alten Felsmalereien und die herrliche Jugendstilaltstadt von Baku, sondern regt sich über ein paar verhaftete Journalisten und zusammengeschlagene Demonstranten auf. Ich möchte auch gar nicht versuchen, Ihnen zu erklären, warum Europäer einfach nicht verstehen, dass man es unmöglich in zwanzig Jahren einmal schaffen kann, freie Wahlen abzuhalten, wenn man gleichzeitig einen Krieg mit dem Nachbarland führen bzw. immer wieder als Drohgebärde ankündigen und Öl fördern muss. Über Prioritätensetzungen kann man streiten, aber ich weiß, da bin ich bei Ihnen an der falschen Adresse.
Ich wende mich an Sie mit einigen Anmerkungen, die Sie direkt betreffen: Es ist sehr lobenswert, dass Sie die Verbesserung der Einreisebestimmungen angekündigt haben. Nun möchte ich Sie darauf hinweisen, dass die Erweiterung des Visumsfragebogens um mehr als eine Seite nicht unbedingt von allen als Erleichterung wahrgenommen wird. Auch die Tatsache, dass es keine Möglichkeiten mehr gibt, ein Visum per Post zu beantragen und Nicht-Berliner damit auf professionelle Visa-Beschaffer zurückgreifen müssen, erleichtert bzw. bereichert nur das Leben besagter Visa-Beschaffer (Soll keine Kritik an diesen freundlichen Herrn mit den Rollköfferchen voller Pässe sein, die man in den meisten post-sowjetischen Botschaften trifft. Allmählich kennt man sich und hat immer jemanden zum Plaudern, während man auf was auch immer wartet!)
Auch die Tatsache, dass man bereits Flugtickets und Hotelbuchungen vorlegen muss, macht das Leben für potentielle Touristen nicht einfacher. Natürlich werden Sie sagen, dass man das sowieso buchen muss, aber dann wäre es nett, wenn es möglich wäre. Aber leider sind die Buchungsmöglichkeiten für Hotelzimmer für den Eurovision-Zeitraum ja nun seit Monaten gesperrt, weil Sie das zentral abwicklen wollen (kleiner Hinweis am Rande: "zentral abwicklen" ist eine bei westlichen Individualisten - und das sind die entsprechenden Fans in der Regel - eine wenig beliebte Formel. Ebenso wie "plaziert werden" oder "umfangreiches Betreuungsprogramm"). Also kein Hotelzimmer, kein Visum und – Sie werden es den Touristen nachsehen müssen – bei so viel Unsicherheit auch keine Flugbuchungen. Und letztendlich auch keine Touristen. Schade eigentlich. Aber in den nächsten Tagen soll sich ja alles ändern.
Ich verbleibe wie immer mit den besten Hoffnungen und lasse sicher mal wieder von mir hören.

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