Tag der Fahne


Gestern war „Tag der Fahne“ in Aserbaidschan. Diese ist offensichtlich wichtiger als die Unabhängigkeit, da der Tag als Feiertag frei war. Warum die Fahne wichtiger ist als die Unabhängigkeit wurde mir mit den Worten „Die Fahne ist älter als die Unabhängigkeit“ erklärt. Stimmt sogar irgendwie, das Fahnendesign geht auf die erste Republik von 1918 bis 1920 zurück. Vielleicht war der Tag auch nur frei, weil ein Tag von Kurban Bayram, dem Opferfest auf einen Sonntag fiel und nachgefeiert wurde (macht man hier wirklich mit Feiertagen, die auf Wochenenden fallen).  Genau konnte es mir keiner sagen, weil der Feiertag  erst zwei Jahre alt ist und noch keine sicheren Erfahrungswerte vorliegen. 2009 wurde er vom Präsidenten in Zusammenhang mit der Errichtung des welthöchsten Fahnenmastes (genauer geht’s wohl nicht) ins Leben gerufen. Laut manchen Quellen ist der 126m hohe Fahnenmast schon von einem höheren in Tadschikistan überholt worden, aber der Tag der Fahne ist geblieben. An der Fahne soll sich auch ein Museum der Fahne Aserbaidschans befinden, dass ich zur Feier des Tages eigentlich besuchen wollte. Aktuell scheint die ganze Anlage aber von einer riesigen Baustelle umgeben zu sein, auf der die Bauten für den Eurovision Songcontest entstehen soll. Also nix mit Museum.
Denkmal auf der Martyrs' Lane
Geschmückte Gräber von Gefallenen
Stattdessen habe ich heute das gute Wetter genutzt, um Kurzinterviews mit Personen zu machen, die Şəhidlər Xiyabanı (Martyrs' Lane) auf einem Hügel über Baku besuchen. Hier wird an die Menschen erinnert, die am 20. Januar 1990 bei der Niederschlagung von Demonstrationen durch die russische Armee umkamen, aber auch an Gefallene des Karabachkrieges sowie an Türken, die am Ende des 1. Weltkrieges für Aserbaidschan gegen Britten und Russen kämpften und – verblüffender Weise – auch an britische Soldaten, die eigentlich auf der anderen Seite standen (wirre Zeiten, das wird irgendwann mal ein eigener Eintrag). Da heute Donnerstag ist und man an Donnerstagen besonders der Toten gedenkt, waren tatsächlich viele Leute da, die nach Gräbern sahen oder die Märtyrer ehren wollten. Bei anderen Gelegenheiten sind hier auch viel Liebespaare unterwegs. Mit denen habe ich die Interviews über ihre Nutzung des Geländes allerdings  noch mal verschoben. So indiskret bin ich dann doch nicht gerne.

Der klassische Blick über die Bucht und die Stadt / Sommer 2010
    Baustelle für den Eurovision Contest und natürlich: die Fahne   

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