Regen und Geschichte


Während der drei Tage Dubai habe ich eine Besonderheit erlebt: Regen. Bei einem Mittelwert von 0,3 mm im November in den letzten Jahren schon exotisch – mehr als die paar mm war es diesmal allerdings auch kaum. Ich hätte es ja gar nicht mitbekommen und die paar Spritzer auf dem Gehweg für Folgen der Straßenreinigung gehalten, wenn nicht der Shuttlebus zum Strand deswegen ausgefallen wäre. Ich war beruhigt, dass das britische Ehepaar neben mir genauso entgeistert zum Himmel guckte wie ich: „Regen? Ach, echt?“ Als wir dann doch die Fahrt zum Strand erkämpft hatten, stellte sich heraus, dass trotz fast dreißig Grad die paar Tropfen alle anderen vom Strand vertrieben hatten und das Strandleben noch weniger lebendig war als Straßenleben.
Also Kultur bzw. Museum. Dafür dass Dubai recht wenig Geschichte hat, hat es reichlich Museen: das Dubai Museum und gleich zwei restaurierte bzw. weitgehend nachgebaute Stadtviertel: Das Heritage Village und das Künstlerviertel Bastakiyya, beide gleichermaßen ausgestorben. Außerdem noch das Diving Village, das den Perlentauchern gewidmet sein soll, und für das ich hier eine Steigerung von "ausgestorben" bräuchte. Ich habe nicht mal eine Aufsicht gesehen - allerdings auch nichts, was einen Diebstahl gelohnt hätte. Dies galt nicht für das Dubai Museum, in dessen unterirdischen Räumen unter einem Fort aus dem 18. Jahrhundert sich Touristen aus aller Welt, aber (zumindest der Sprache nach) auch viele Einheimische bzw. Besucher aus anderen Teilen der arabischen Halbinsel drängten.

Das Dubai Museum mit (Meeres-)Schiff

Wüstenschiff mit Führer und Besuchern


Das Museum wurde 1971 begonnen, in der heutigen Version aber erst 1995 eröffnet. Für deutsche Augen scheint sich aber an der Planung der 1970er nicht viel geändert zu haben: Die typische Basarstraße, die in dieser Zeit auch in  Deutschland modern war, viele Puppen, viel Klangkulisse, Meeresrauschen, Lichtspielereien. In mir kamen ganz ketzerische Überlegungen hoch: Warum, zum Beispiel, wir eigentlich ständig über kolonialistische Displays diskutieren, alle Puppen aus den Ausstellungen verbannen und hinter jeder Inszenierung gleich die Völkerschau drohen sehen, wenn die armen ehemaligen Kolonialisierten doch so viel Spaß an nachgebauten Basaren, Schiffswerften und Palmenhainen haben – und ich ehrlich gesagt auch. Klar, manches war übertrieben. Natürlich, die Objekte traten weit hinter den Inszenierungen zurück. Sicher wurden Klischees wiederholt und aufgebaut, aber so viele Besucher, die sich so leidenschaftlich mit den Themen, die dargestellt werden, auseinandersetzen, diskutieren, nachfragen, hätte ich auch gerne mal in Deutschland.
Schwerpunkt der Ausstellung war, wie auch im Heritage Village, die Zeit vor dem Ölboom in den 1960er Jahre, also die Zeit als Dubai noch ein mäßig wichtiger und mäßig wohlhabender Ort für Händler und Perlenfischer war. Spannend, aber mich hätten die letzten Jahrzehnte ja mindestens genauso sehr interessiert.Wie änderte das Öl und all die neuen Einflüsse das Leben der Bevölkerung, was denken Menschen, die in so kurzer Zeit von einer Kleinstadt des 19.Jahrhunderts in die Metropole des 21. Jahrhunderts katapultiert wurden ohne umzuziehen? (Kann ich bitte das nächste Forschungsprojekt hier haben?)
Zum Schluss noch zwei Fundstücke aus meiner Orientalismus-Sammlung, die hier reichlich angewachsen ist:

In der Bastakiyya


Im Museumsshop des Dubai-Museums






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