Dubai (of the Gulf)

Ja, ich gebe es zu: Ich habe nachgegeben und getan, was alle dekadenten, ökologisch und politisch inkorrekten, Kaukasus-müden Ausländer hier machen: ich habe für vier Tage einen der unglaublich billigen Flüge nach Dubai gebucht (so von Ölstadt zu Ölstadt). Übrigens sind nicht nur die Flüge relativ billig - wenn man aus Baku kommt, erscheinen selbst alle anderen Preise gar nicht schlimm. Und ja, es war eine gute Idee, mich mal auf diese Weise aus allem rauszuziehen. Leider waren es ausgerechnet die Tage des Opferfests und der Versuch, original Dubaier Straßenleben zu erfahren ungefähr so erfolgversprechend wie Berliner Straßenleben über die Weihnachtstage. Die angeblich noch "echten" arabischen Basare (was auch immer das heißen mag, bei einer Bevölkerung, die weitgehend aus Pakistanern, Indern und Nepalesen zu bestehen scheint), in denen vor allem Gewürze und Gold verkauft werden sollen, waren dementsprechend weitgehend geschlossen. Der Goldbasar etwas weniger, da dieser offensichtlich auch Anziehungspunkt für einheimische Frauen war, die zum Teil reichlich unglücklich aussehende Männer hinter sich herzogen.
Ich habe trotzdem viel gesehen und das Gefühl einen Einblick in diese sehr kontrastreiche Stadt mit ihren Einwohnern und Touristen von überall her bekommen zu haben: Tief verschleierte Frauen und andere in knappen Shorts, Hightech und alte Holzboote, Wüste und riesige Springbrunnen immer wieder ganz nah nebeneinander.


Am Dubai Creek
Ich bin durch überfüllte Shopping Malls mit eingebauten Aquarien und Skipisten und durch vollkommen ausgestorbene „Heritage Villages“ mit „echter“ Golfarchitektur gezogen, habe indische und pakistanische Familien am Hotelpool beobachtet, bin auf dem Creek, der durch Dubai führt, Schiffchen gefahren und habe mir dabei die Familienbilder nepalesischer Gastarbeiter angesehen. Diese Stadt ist unglaublich weitläufig (derjenige, der einen Stadtplan mit derart verschobenen Maßstäben entworfen hat, wie der, den ich in die Hand bekommen habe, gehört wegen Körperverletzung angezeigt! Aber vermutlich bin ich die einzige, die auch nur versucht hat zu laufen) und Stadtplanung wird ganz klar für komplett überschätzt gehalten. Man baut offensichtlich einfach eine Reihe Hochhäuser nebeneinander irgendwo in den Wüstensand, legt ein paar Autobahnen und eine U-Bahnlinie dazwischen und fertig ist die Stadt. Ich war froh, dass zumindest in der Gegend meines Hotels noch so etwas wie normale Straßen, Wohnbebauung und ein paar Supermärkte waren. Aber ich will nicht unfair sein: das öffentliche Busnetz ist gut und wenn man jetzt noch die Fahrkarten an den Bushaltestellen und nicht nur an den wenigen Metrostationen kriegt, ist es sogar perfekt. 
Stehen doch gut da, oder?
Und eine U-Bahnlinie gibt es auch


Trotzdem scheint mir die Methode fragwürdig und als Vorbild für Baku (wir erinnern uns: das künftige „Dubai of the Caspian“) geradezu erschreckend: immerhin hat Dubai nun ganz viel irgendwo um seine Hochhäuser da hinzusetzen und bis vor wenigen Jahrzehnten nur sehr wenig Bevölkerung, die solchen Plänen jetzt im Weg stehen könnte.


Basar, leer
Einkaufszentrum, voll

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