Wieder Istanbul

Geographisch wie biographisch ist Istanbul für mich die Station, von der ich immer wieder weiter nach Osten aufbreche. Auch diesmal hatte ich hier wieder vier wunderschöne Herbsttage, in denen man stundenlang durch die Straßen von Beyoğlu streifen, in den Teegärten der Moscheen sitzen, auf dem Bosporus oder dem Goldenen Horn Schiffchen fahren konnte – oder im Archiv der deutsch-evangelischen Gemeinde in verstaubten Akten wühlen. Ein paar Stunden habe ich über eine Freundin die Gelegenheit genutzt, genau das zu tun und war fasziniert von dem Kaleidoskop deutscher Geschichte von Istanbul aus gesehen: 
Deutsche Geschichte in Istanbul: Kirchenfenster der evangelischen Gemeinde
 Ein Bericht zur Situation deutscher Frauen in Istanbuler Bordellen vom Anfang des 20. Jahrhunderts, Anfragen nach Ariernachweisen und Angaben zur korrekten Kirchenbeflaggung aus den 30er Jahren, und schließlich Briefe besorgter Eltern aus den späten 60er Jahren, als mit dem immer stärker werdenden Tourismus auch immer mehr junge deutsche Frauen und türkische Männer kennenlernten – ein offensichtlicher Alptraum für manche Eltern, die vom Herrn Pfarrer sogar die unauffällige Überprüfung des unerwünschten Schwiegersohns erbaten. Bis zu den DDR-Flüchtlingen, die wohl später über Bulgarien kommend hier ihre erste Anlaufstelle fanden, bin ich nicht vorgedrungen, dazu lockte dann doch das Herbstwetter zu sehr.






Meine alte Straße in Galata. Kaum wahrscheinlich, dass ich hier heute noch die Miete zahlen könnte.
Tatsächlich: Ein Fahrradweg!
 Auf alten Wegen bin ich noch mal durch Galata und Üsküdar gestreift, mich immer wieder über die rasanten Veränderungen meiner Lieblingsstadt wundernd – ich versuche mich ja inzwischen zurückzuhalten, um nicht allen mit meinen nostalgischen Erinnerungen und noch mehr den ständigen Verwunderungsschreien („U-Bahn? Tschibo?? Starbuck auf der Istiqlal???“) auf die Nerven zu fallen. Einmal muss ich nun aber doch: Ein Fahrradweg! Ein Fahrradweg direkt vor der Hagia Sophia! (Naja, wo auch sonst. Auf den engen, steilen Straßen z.B. in Kasimpasa würde es ja auch noch weniger erfolgversprechend sein...)
Den angekündigten Park sehe ich zwar nicht (außer sie meinen "Parkplatz"), aber mein nächstes Ziel kündigt sich auf sehr alten Wegen in Üsküdar an: Baku.

PS. Mit dem Titel des Blogs bin ich alles andere als glücklich. Wenn jemand eine Idee für einen Titel hat, der die Region Türkei-Südkaukasus-Zentralasien zusammenfasst, ohne ein Land speziell zu nennen und ohne eins auszuschließen - immer her damit!

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