Mehr als Eurovision


In der letzten Woche habe ich mich vor allem kulturell weitergebildet. Schwerpunkt: Musik Aserbaidschans im 20. Jahrhundert. Aserbaidschaner machen schließlich nicht erst seit dem Eurovision Song Contest 2011 Musik. Für den, der es nicht weiß: die wichtigste traditionelle Musikrichtung Aserbaidschans, der Mugham, steht seit 2008 sogar auf der Liste des Intangible World Heritage der UNESCO. Mehr kann ich dazu leider auch nicht sagen, da Musik bei aller Begeisterung mir doch schon sehr fremd ist. Interessanter sind für mich die Hintergründe: Da Mugham eigentlich von Nordafrika bis Indien gespielt wird, ist die einseitige Aufwertung des aserbaidschanischen Mugham ein Politikum: Die besten Mughamspieler kommen angeblich aus dem umstrittenen Berg-Karabach und wenn der Mugham aserbaidschanisch ist, ist es Berg-Karabach auch. Logisch, oder? Dafür steht jetzt auch am Bulvar ein riesiges neues Mugham-Zentrum mit einem großen Konzertsaal, in dem im Frühjahr schon das II. Internationale Mugham-Festival stattfand.(hier sollte ein Bild vom Mugham Center rein, aber das will heute gar nicht.!)
Die Oper
Eher seine lange Bindung an Europa steht im Vordergrund, wenn Aserbaidschan ist stolz darauf ist, dass hier die erste Oper in einem muslimischen Land geschrieben und uraufgeführt wurde: 1907 „Leyla und Macnun“ des Komponisten Üzeyir Hadjibeyov. Sie steht bis heute auf dem Spielplan der Bakuer Oper (1911 erbaut – ebenfalls das erste Opernhaus in einem muslimischen Land). Ich hoffe, ich schaffe es im November mal, eine Aufführung zu sehen, bisher ist mein Verhältnis zur Bakuer Oper eher gespalten: Immer wenn ich hin will, ist die Aufführung entweder ausverkauft oder fällt aus (oder beides). Halb so schlimm, schließlich gibt es noch andere musikalische Betätigungsfelder: gerade ist das Internationale Jazzfestival in Baku. Auch hier erzählen die Bakuer stolz, dass hier in den 1960er und 1970er Jahren, der beste Jazz der Sowjetunion gespieltz wurde (Sorry, an alle Odessiten, ich weiß, dass das an eure Ehre geht - ich zitiere nur!) „International“ für das Jazzfestival ist wie so oft hierzulande reichlich national, aber ich bin ja auch nicht in Baku, um das Duke Ellington Orchester zu hören (die spielen tatsächlich hier) - und auch wenn die Namen auf den Plakaten in der Regel sehr aserbaidschanisch klingen, die Bands hinter den Namen sind oft tatsächlich recht bunte Nationalitäten-Mischungen. Spaß macht es auf jeden Fall, schon die Beobachtung des Publikums, das so anders ist als beim Mugham-Festival im Frühjahr – und nein, es sind nicht die alten, traditionellen Mugham-Liebhaber gegen die jungen Jazzfans, sondern das Bakuer Jazzpublikum ist alt geworden und sitzt andächtig schweigend in Konzertsälen, während sich beim Mugham viel mehr junge Männer und Familien mit Kindern versammelten.Die Übermacht der aserbaidschanischen Landbevölkerung gegenüber der alten Bakuer, multikulturellen Welt, würde meine Aserbaidschanisch-Lehrerin jetzt sagen und es nicht positiv meinen. Aber das ist mal einen anderen Beitrag wert.
Ankündigungen des Jazzfestivals mit Interessenten im Durchschnittsalter

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