Baku BauBUMM

Restaurierte Gründerzeithäuser
(die Bilder sind vom Somer 2010 - jetzt ist der Himmel nicht so blau)
Das Hauptproblem bei dem neulich beschriebenen Bakuer Bauboom sind für mich nicht Kleinigkeiten wie abrutschende Hügel oder Druckwasser in der Bucht (was auch immer das sei) - als Geisteswissenschaftlerin habe ich ein geradezu kindliches Vertrauen in die Technik, die die größten Katastrophen fabrziert, um sie dann auch wieder in Ordnung zu bringen. Vor allem, wenn Geld keine Rolle spielt. Leider funktioniert die Methode, erstmal alles platt zu machen, dann festzustellen, dass der Neubau nicht ganz so einfach ist und dann über das Problem nachzudenken, allenfalls bei technischen Schwierigkeiten. Wenn es um Kulturgüter und ihren Schutz geht, funktioniert es nicht. Die sind dann nämlich schon gündlich zerstört. Denn das Hauptproblem ist, dass es bereits eine Bakuer Innenstadt gibt. Das klingt selbstverständlich und simpel, heißt aber auch, dass da, wo das neue Baku entstehen soll, erstmal abgerissen werden muss - und zwar vor allem in den Vierteln, die während des Ersten Ölbooms Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sind. 

Restaurierungsabeiten in der Nizami, der Hauptstraße des Gründerzeit-Baku
Zwar werden einige Straßenzüge repräsentativ wieder hergerichtet, aber sobald man in die Nebenstraßen abbiegt, ist das Bild deprimierend. Immer mehr Lücken für Neubauten werden geschlagen und die verbleibenden Häuser verfallen zusehends. Zwar besitzen die meisten Einwohner ihre Wohnungen, aber wer will schon in ein Haus investieren, dass nächste Woche abgerissen werden kann? Ich wohne in einem solchen Viertel und sehe mit Schrecken, wie sich die Bulldozer an meine Straße heran fressen. Im Gegensatz zu meinen Nachbarn bin ich nicht für immer hier, aber ich kann verstehen, wenn sie sich voll Schrecken fragen, wo sie wohl eines nicht so fernen Tages hin sollen. Protestieren ist ihrer Meinung nach zwecklos, da nehmen sie lieber die kleinen Abfindungen und ziehen weit nach draußen an die Peripherie der Stadt.
Verfallende Pracht in den Nebenstraßen - und was nicht
verfällt, wird abgerissen
Ob da der neue „Masterplan Baku“ helfen wird, sei dahin gestellt. Ausdrücklich betont einer der Verantwortlichen im Interview mit der Zeitschrift Region Plus: „Niemand wird ein Baudenkmal  abreißen. Wir reden über Häuser, in denen aktuell kein angenehmes Leben möglich ist. Anstelle dieser Semi-Slums schlagen wir vier bis sechsstöckige Gebäude vor, aber nicht unbedingt Wohngebäude, wahrscheinlich Geschäftsräume, Hotels etc. Wir erwarten keinen Anstieg der Bewohner in der Innenstadt. Auf jeden Fall wird sich öffentliche Infrastruktur hier verbessern.“ Ohne lästige Bewohner ist das ja auch viel einfacher. 

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