Aus meinem Semi-Slum




Bilder hochladen ist hier immer etwas schwierig, ich habe schon die erstaunlichsten Farbschattierungen erzeugt. Heute geht es aber ganz gut und ich nutze die Gelegenheit, meinen geliebten und von Abrissbaggern bedrohten Semi-Slum mit mehr Bildern vorzustellen. Das Bild aus dem Zimmer meiner Mitbewohnerin verdeutlicht zwei Dinge wie ich finde sehr schön: Dass wir eine tolle Altbau-Wohnung mit Parkett, Flügeltüren und Kamin haben - und dass unser Dach gerade jetzt bei den Herbstregen ganz entsetzliche Mängel aufweist. Seit einer Woche warten wir auf den vom Vermieter versprochenen Handwerker und  nichts passiert. Allmählich wächst bei mir der Verdacht, dass auch unser Vermieter sein Haus bereits aufgegebn hat und nicht einmal die simpelsten Reparaturen mehr durchführen will. Ganz unverständlich ist das nicht, wenn man sich ansieht, wie schnell hier abgerissen wird. Der Zeitsprung unten mit Bildern aus den letzten nicht mal anderthalb Jahren verdeutlicht das. Aufgenommen wurde er nur ein paar Parallelstraßen von hier. Das letzte Bild brachte mir einigen Ärger von ein paar Bauleuten ein, da das Fotografieren von Baustellen hierzulande angeblich verboten ist - wie im übrigen auch das Fotografieren von Botschaften, Ministerien und überhaupt allem, was halbwegs offiziell ist. Im Gegensatz zu den Polizisten, die sonst auf die Einhaltung dieser Verbote achten, hat aber bei der Baustelle niemand von mir das Löschen der Bilder verlangt.


Juni 2010
Februar 2011
Oktober 2011

Eine Kollegin erzählte mir eine Geschichte, die das Zeug hat, zur urbanen Mythe des heutigen Baku zu werden: Eine Freundin meiner Kollegin hatte ein einjähriges Forschungsstipendium in den USA bekommen und war mir der ganzen Familie umgezogen. Als sie nach einem Jahr zurückkamen und vom Flughafen in die Stadt fuhren, wurde ihre achtjährige Tochter ganz still und als die vor ihrem alten Haus hielten, klammerte sie sich an ihre Mutter und fragte voller Angst: "Mama, war hier Krieg!?"
Straßenszene im Semi-Slum

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